6. Stolpersteinverlegung

7. Juni 2026, Lange Straße 2-4

Rahden 194, heute Weher Straße 7 für Mathilde und Hermann Vogel

Rahden 35, heute Weher Straße 9 für Hermann, Else und Hans Heinz Frankenberg

Rahden 202, heute Bahnhofstraße 8 für Louis Weidenbaum

Erinnerung, die bleibt

Anfang Juni begrüßte der Arbeitskreis »Jüdisches Leben in Rahden« rund 80 Menschen zur 6. Stolpersteinverlegung in der Stadt. Verlegt wurden Steine für Hermann und Mathilde Vogel (Weher Str. 7), die Familie Frankenberg (Weher Str. 9) sowie für Louis Weidenbaum (Bahnhofstraße 8).

Bürgermeister Florian Haase betonte in seiner Begrüßung die Bedeutung der Erinnerungsarbeit und dankte dem Arbeitskreis für zwölf Jahre engagiertes Wirken: „Sie leisten einen bedeutenden Beitrag, Geschichte sichtbar zu machen und den Namen der verfolgten Juden in Rahden einen Platz im Gedächtnis der Menschen und kommender Generationen zu geben." Auch der stellvertretende Landrat Siegrid Gutsche unterstrich die Bedeutung einer lebendigen Erinnerungskultur: „Wie um alles in der Welt konnte so etwas passieren?" – und mahnte, dass sich solche Gräueltaten niemals wiederholen dürfen.

Künstler Gunter Demnig, der seit 1996 europaweit Stolpersteine verlegt und damit das größte dezentrale Mahnmal der Welt geschaffen hat, konnte krankheitsbedingt nicht persönlich teilnehmen. Sein Assistent Matthias Mann vertrat ihn vor Ort; das fachkundige Verlegen der Steine übernahm Heiko Lehde vom Rahdener Bauhof. Drei Schüler des Gymnasiums Rahden – Luca Gorka, Philipp Rohde und Fiete Bollmeier – erinnerten eindringlich an die Schicksale der drei Familien.

Hermann und Mathilde Vogel führten in Rahden ein bürgerliches Leben – er als Kaufmann, Kriegsteilnehmer und Mitglied der Schützengilde, sie im Vaterländischen Frauenverein. Nach 1933 wurden sie zunehmend verfolgt und mussten Rahden schließlich verlassen. Mathilde starb 1940 in Bremen. Hermann wurde 1942 nach Theresienstadt deportiert, wo er Begasungsexperimenten ausgesetzt wurde. Er überlebte als einer von nur 22 der 163 deportierten Bremer Juden und starb 1957 in Bremen.

Die Familie Frankenberg floh im August 1939 nach England, wenig später weiter nach Los Angeles. Das Leben im Exil war schwer: Hermann war krank, Else verdiente als Näherin den Lebensunterhalt. Besonders schmerzhaft: Hermanns Geschwister Martin, Rosette und Bertha wurden deportiert und ermordet. Hermann starb 1969, Else 97-jährig in Los Angeles – beide haben Deutschland nie wieder besucht. Ihr Sohn Hans Heinz lebt heute 93-jährig in Kalifornien und hat Rahden mehrfach besucht.

Louis Weidenbaum, 1868 geboren, ließ sich 1910 in Rahden nieder und betrieb gemeinsam mit seinen Söhnen eines der größten Viehhandelsgeschäfte am Essener Schlachthof – bis die Nationalsozialisten 1933 die Schließung erzwangen. Seine Kinder emigrierten nach Palästina und in die USA. Louis blieb zurück, wurde zum Hausverkauf gezwungen und starb am 25. Dezember 1939 in Hausberge. Er liegt auf dem Jüdischen Friedhof in Alt-Espelkamp begraben.


Für die Familie Weidenbaum war die Verlegung ein besonderer Moment: 2016 besuchte Peter Weidenbaum mit seinen Söhnen die Stolpersteinverlegung in Rahden – ein zutiefst bewegender Moment, besonders durch die Einladung, sein ehemaliges Elternhaus zu betreten. Nach seinem Tod 2021 reiste die jüngere Generation der Familie zur

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Verlegung des Stolpersteins für Louis Weidenbaum an. Peters Sohn Daniel, krankheitsbedingt verhindert, sandte einen Brief, den seine Tochter Sarah vorlas. In dem Brief betonte er die Bedeutung von Erinnerung angesichts wachsender Unsicherheit. Der Familie sei der Einsatz von Sigrid Lindemann, Monika Büntemeyer und allen Mitwirkenden sehr bewusst, die diese Arbeit mit großem Engagement und Einfühlungsvermögen fortführen.

Besonders dankbar zeigte sich Daniel Weidenbaum in seinem Brief auch für die Restaurierung der Gräber von Emma und Louis Weidenbaum, die die Familie 2016 noch in verwahrlostem Zustand vorgefunden hatte. Die erneuerten Grabsteine bedeuteten ihnen sehr viel.

Auch die Schülervertretung des Gymnasiums Rahden unterstrich die Bedeutung der Veranstaltung: Im Gedenken an Margot Friedländer mahnten die Schülerinnen und Schüler, dass sich die Verbrechen der NS-Zeit nicht wiederholen dürfen. Die vertriebenen jüdischen Familien seien Teil der Rahdener Geschichte – ihre Erinnerung zu bewahren eine gemeinsame Aufgabe aller.

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