Projekttag »Jüdisches Leben in Rahden«

Die Schülervertretung des Gymnasiums erinnert mit ihrer Projektarbeit an die Judenverfolgung in Rahden

Was für eine starke Schülervertretung (SV) am Gymnsaium Rahden: Bjane Lehde, Bjarne Strunk, Elisabeth Henrich, Franziska Rasfeld, Jan Mittelstedt, Jordis Schmöckel, Marah Priesmeier, Mia Thrien, Nicolas Guennoc, Patricia Gabriel, Paula-Marie Müller und Rike Randermann haben zusammen mit den betreuenden Lehrerinnen Verena Schneider und Katja Steiger im Rahmen der »Schule gegen Rassismus – Schule mit Courage« einen sehr informativen und interaktiven Aktionstag gegen Antisemitismus und Rassismus erarbeitet. Von der Idee bis zum Projekttag am 13. Juni haben sie ungefähr ein halbes Jahr daran gearbeitet. „Natürlich meint jeder, ein Antirassist zu sein, aber das war uns nicht genug“, erzählen Bjane Lehde und Elisabeth Henrich von der SV im Gespräch. Die SV wollte aktiv an dem Thema »Schule gegen Rassismus – Schule mit Courage« arbeiten. Dafür sammelten sie über 30 Ideen, was man in der Schule aktiv umsetzen könnte. Die jungen Leute entschieden sich für einen »Anne Frank Tag« in der Schule, der seit 2017 jährlich an ihrem Geburtstag (12.6.1929) bundesweit gegen Antisemitismus, Rassismus und für Demokratie an Schulen stattfindet. Die Rahdener Schülervertretung veranstaltete diesen Aktionstag einen Tag später, am 13. Juni 2022. Passend zum Geschichtsunterricht der neunten Klassen wurde mit Unterstützung des »Anne Frank Zentrums« aus Berlin eine Ausstellung über das Schicksal von Anne Frank aufgebaut. Das Thema des Anne Frank Tages 2022 lautete »Freundschaft«. Es wurden Freundschaften von Anne Frank in der Zeit des Nationalsozialismus vorgestellt. Ein besonderer Schwerpunkt der Lernmaterialien lag auf der Beziehung von Anne Frank und Hannah Pick-Goslar. Außerdem wurde auf die Bedeutung von Freundschaft in der Gegenwart eingegangen. An einem Tisch gab es die Möglichkeit auf Kärtchen festzuhalten, was Freundschaft für einen selbst bedeutet. Die Jahrgangsstufe 9 schaute sich interessiert die großformatige Plakatausstellung und die Anne Frank Zeitung an. Für den lokalen Bezug nahmen die SV-Vertreter*innen zusätzlich Kontakt zum Arbeitskreis »Jüdisches Leben in Rahden« auf. „Wie unglaublich engagiert die Schülervertretung ist“, stellte Sigrid Lindemann fest. Und damit hat sie recht: Als ergänzende aktive Aktion hatte die SV über die »BiParcours«-App ein Quiz zu den Rahdener Stolpersteinen erstellt. Dafür haben sie an zwei langen Projekttagen im Ev. Gemeindehaus in Rahden ein Quiz für die Jahrgangsstufe 9 entwickelt. Die Schüler*innen der »9« konnten so mit dieser App auf ihren Handys die Rahdener Stolpersteine abgehen und dabei die Quizfragen beantworten. Anschließend ging es in die Aula. Dort wurden sie von der Schülervertretung, vom Schulleiter Matthias Haverkamp sowie von Monika Büntemeyer, Sigrid Lindemann und Edith Stöver, vom Arbeitskreis »Jüdisches Leben in Rahden“, begrüßt. Ein kleiner Film erläuterte die Geschichte zu den Stolpersteinen und dem Lebenswerk von Gunter Demnig, der bereits über 75.000 Stolpersteine europaweit zur Erinnerung jüdischer Mitbürger verlegt hat. Leider konnte Gunter Demnig an der Stolpersteinverlegung am 11. Juni in Rahden nicht teilnehmen.

Monika Büntemeyer erinnerte an den 93. Geburtstag von Anne Frank einen Tag zuvor und damit an das Thema Courage. In Rahden haben seit Jahrhunderten Juden gelebt. In Zeiten des Nationalsozialismus erfuhren sie hier Leid, Verfolgung und Deportation. Daran erinnert auch das Buch von Ursula Ester-Hartke und der Geschichtswerkstatt der Hauptschule Rahden im Jahr 1997 »Sie lebten mitten unter unsֿ«. Ein sehr gutes Buch zur Geschichte der jüdischen Mitbürger in Rahden und eine sehr couragierte Aktion von Frau Ester-Hartke. Wie in vielen Orten Deutschlands hat man auch in Rahden lange keine Courage gezeigt – man wollte lieber nicht über das Thema reden. Das sei heute zum Glück anders: Man redet heute darüber. „Wir wollen nicht anklagen, wir wollen nicht verschweigen – wir wollen erinnern“, erläutert Büntemeyer die Arbeit des Arbeitskreises. Erinnern an die schreckliche Zeit des Nationalsozialismus, erinnern an Freundschaft und die Courage zu handeln gegen Antisemitismus und Rassismus.

Seit 2015 werden in Rahden Stolpersteine verlegt – insgesamt bis heute 46 Steine.

 

 

Bjane Lehde (li.) und Marah Priesmeier (re.) bedankten sich im Namen der Schülervertretung bei Sigrid Lindemann, Monika Büntemeyer und Edith Stöver (v. li.) vom Arbeitskreis »Jüdisches Leben in Rahden« für die Unterstützung zu den Projekttagen.

 

Harry Rothe von der jüdischen Kultusgemeinde Herford sprach das Kaddisch, ein jüdisches Totengebet zur Lobpreisung Gottes, mit anschließender Gedenkminute am Mahnmal der Rahdener Synagoge mit den Schülerinnen, Schülern und Lehrern des Gymnasiums Rahden, des Arbeitskreises „jüdisches Leben in Rahden“ sowie die Besucher aus Politik.

Gedenken an Synagogen-

Brand in Rahden

Am Montag, dem 10. November 2014, fand eine Gedenkveranstaltung zum 76. Jahrestag der Reichspogromnacht in der St. Johannis-Kirche Rahden statt.

Der Abend wurde von rund 35 Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums Rahden unter der Leitung von Renate Heeren sowie von Michael Streich aus dem  Arbeitskreis „jüdisches Leben in Rahden“ organisiert.

Die Schüler des Abijahrgangs sangen Lieder aus ihrem im Juni 2014 aufgeführten Musical „Anatevka“ u. a. „Jente, o Jente“, „Wunder, ein Wunder“ oder „Wenn ich einmal reich wär“. Zwischen den Liedern reflektierten sie das Erinnern und das Gedenken an das jüdische Leben in Rahden.

Pfarrer Udo Schulte beantwortet in seiner geistlichen Rede die Frage der Schülerinnen und Schüler „Darf man in der Kirche lachen und klatschen?“ mit einem deutlichen „Ja“, denn Humor ist eher selten. Doch auch deswegen, weil Lachen selbstverständlich ist. „Das jüdische Leben in Rahden textlich und musikalisch so darzustellen – das habt ihr wirklich super gemacht“, war Schulte begeistert.

Zum Abschluss der Gedenkveranstaltung sprach Harry Rothe von der jüdischen Kultusgemeinde Herford: „Ich bin bewegt und gerührt, dass Gefühl von Gemeinschaft und Solidarität ist hier mit Händen zu greifen“.  Die Menschen verdrängen gerne Böses während sie sich an Gutes lange noch erinnern. Das sei der Kern des Problems, das die Deutschen  mit dem Datum des 9. November haben, der auch als Schicksalstag der Deutschen bezeichnet wird. An diesem Tag wurde z. B. tragischerweise 1938 die Prognomnacht ausgerufen und im Jahr 1989 der Fall der Mauer bundesweit gefeiert. Die neue Generation feiert 25 Jahre nach dem Mauerfall unbefangener und unbeschwerter diesen Freudentag der Geschichte, während es kaum noch Zeitzeugen der Prognomnacht gibt und somit immer mehr der Erinnerung entrückt.

Das Gedenken an den 9. und 10. November 1938 ermahnt an das Schicksal jüdischer Deutscher, die verfolgt, geschlagen, beraubt oder willkürlich ermordet wurden. Der Nazistaat stellte seine kriminellen Handlungen demonstrativ mit Brandstiftung, Vandalismus, Demütigung der Juden und Zerstörung ihrer Gotteshäuser zur Schau. „Heute leben ca. 100.000 Juden friedlich in Deutschland – ein eindeutiger Beweis, dass die Juden hier angekommen sind, Vertrauen gefasst haben in die Festigkeit der demokratischen und rechtstaatlichen Struktur der Bundesrepublik Deutschland“, schließt Harry Rothe seine Rede, „der 9. und 10. November sollte aber nicht zu einer Erinnerung der Vergangenheit gemacht werden, sondern auch eine Ermutigung für die Gegenwart und die Zukunft.“

 

Arbeitskreis Jüdisches Leben in Rahden

Claus-Dieter Brüning

Am Freibad 16, 32369 Rahden

E-Mail: mail@juedisches-leben-rahden.de

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Projekttag »Jüdisches Leben in Rahden«

Die Schülervertretung des Gymnasiums erinnert mit ihrer Projektarbeit an die Judenverfolgung in Rahden

Was für eine starke Schülervertretung (SV) am Gymnsaium Rahden: Bjane Lehde, Bjarne Strunk, Elisabeth Henrich, Franziska Rasfeld, Jan Mittelstedt, Jordis Schmöckel, Marah Priesmeier, Mia Thrien, Nicolas Guennoc, Patricia Gabriel, Paula-Marie Müller und Rike Randermann haben zusammen mit den betreuenden Lehrerinnen Verena Schneider und Katja Steiger im Rahmen der »Schule gegen Rassismus – Schule mit Courage« einen sehr informativen und interaktiven Aktionstag gegen Antisemitismus und Rassismus erarbeitet. Von der Idee bis zum Projekttag am 13. Juni haben sie ungefähr ein halbes Jahr daran gearbeitet. „Natürlich meint jeder, ein Antirassist zu sein, aber das war uns nicht genug“, erzählen Bjane Lehde und Elisabeth Henrich von der SV im Gespräch. Die SV wollte aktiv an dem Thema »Schule gegen Rassismus – Schule mit Courage« arbeiten. Dafür sammelten sie über 30 Ideen, was man in der Schule aktiv umsetzen könnte. Die jungen Leute entschieden sich für einen »Anne Frank Tag« in der Schule, der seit 2017 jährlich an ihrem Geburtstag (12.6.1929) bundesweit gegen Antisemitismus, Rassismus und für Demokratie an Schulen stattfindet. Die Rahdener Schülervertreung veranstaltete diesen Aktionstag einen Tag später, am 13. Juni 2022. Passend zum Geschichtsunterricht der neunten Klassen wurde mit Unterstützung des »Anne Frank Zentrums« aus Berlin eine Ausstellung über das Schicksal von Anne Frank aufgebaut. Das Thema des Anne Frank Tages 2022 lautete »Freundschaft«. Es wurden Freundschaften von Anne Frank in der Zeit des Nationalsozialismus vorgestellt. Ein besonderer Schwerpunkt der Lernmaterialien lag auf der Beziehung von Anne Frank und Hannah Pick-Goslar. Außerdem wurde auf die Bedeutung von Freundschaft in der Gegenwart eingegangen. An einem Tisch gab es die Möglichkeit auf Kärtchen festzuhalten, was Freundschaft für einen selbst bedeutet. Die Jahrgangsstufe 9 schaute sich interessiert die großformatige Plakatausstellung und die Anne Frank Zeitung an. Für den lokalen Bezug nahmen die SV-Vertreter*innen zusätzlich Kontakt zum Arbeitskreis »Jüdisches Leben in Rahden« auf.

Bjane Lehde (li.) und Marah Priesmeier (re.) bedankten sich im Namen der Schülervertretung bei Sigrid Lindemann, Monika Büntemeyer und Edith Stöver (v. li.) vom Arbeitskreis »Jüdisches Leben in Rahden« für die Unterstützung zu den Projekttagen.

„Wie unglaublich engagiert die Schülervertretung ist“, stellte Sigrid Lindemann fest. Und damit hat sie recht: Als ergänzende aktive Aktion hatte die SV über die »BiParcours«-App ein Quiz zu den Rahdener Stolpersteinen erstellt. Dafür haben sie an zwei langen Projekttagen im Ev. Gemeindehaus in Rahden ein Quiz für die Jahrgangsstufe 9 entwickelt. Die Schüler*innen der »9« konnten so mit dieser App auf ihren Handys die Rahdener Stolpersteine abgehen und dabei die Quizfragen beantworten. Anschließend ging es in die Aula. Dort wurden sie von der Schülervertretung, vom Schulleiter Matthias Haverkamp sowie von Monika Büntemeyer, Sigrid Lindemann und Edith Stöver, vom Arbeitskreis »Jüdisches Leben in Rahden“, begrüßt. Ein kleiner Film erläuterte die Geschichte zu den Stolpersteinen und dem Lebenswerk von Gunter Demnig, der bereits über 75.000 Stolpersteine europaweit zur Erinnerung jüdischer Mitbürger verlegt hat. Leider konnte Gunter Demnig an der Stolpersteinverlegung am 11. Juni in Rahden nicht teilnehmen.

Monika Büntemeyer erinnerte an den 93. Geburtstag von Anne Frank einen Tag zuvor und damit an das Thema Courage. In Rahden haben seit Jahrhunderten Juden gelebt. In Zeiten des Nationalsozialismus erfuhren sie hier Leid, Verfolgung und Deportation. Daran erinnert auch das Buch von Ursula Ester-Hartke und der Geschichtswerkstatt der Hauptschule Rahden im Jahr 1997 »Sie lebten mitten unter unsֿ«. Ein sehr gutes Buch zur Geschichte der jüdischen Mitbürger in Rahden und eine sehr couragierte Aktion von Frau Ester-Hartke. Wie in vielen Orten Deutschlands hat man auch in Rahden lange keine Courage gezeigt – man wollte lieber nicht über das Thema reden. Das sei heute zum Glück anders: Man redet heute darüber. „Wir wollen nicht anklagen, wir wollen nicht verschweigen – wir wollen erinnern“, erläutert Büntemeyer die Arbeit des Arbeitskreises. Erinnern an die schreckliche Zeit des Nationalsozialismus, erinnern an Freundschaft und die Courage zu handeln gegen Antisemitismus und Rassismus.

Seit 2015 werden in Rahden Stolpersteine verlegt – insgesamt bis heute 46 Steine.

 

 

Projekttag »Jüdisches Leben in Rahden«

Die Schülervertretung des Gymnasiums erinnert mit ihrer Projektarbeit an die Judenverfolgung in Rahden

Bjane Lehde (li.) und Marah Priesmeier (re.) bedankten sich im Namen der Schülervertretung bei Sigrid Lindemann, Monika Büntemeyer und Edith Stöver (v. li.) vom Arbeitskreis »Jüdisches Leben in Rahden« für die Unterstützung zu den Projekttagen.

Gedenken an Synagogen-

Brand in Rahden

Projekttag »Jüdisches Leben in Rahden«

Die Schülervertretung des Gymnasiums erinnert mit ihrer Projektarbeit an die Judenverfolgung in Rahden

Bjane Lehde (li.) und Marah Priesmeier (re.) bedankten sich im Namen der Schülervertretung bei Sigrid Lindemann, Monika Büntemeyer und Edith Stöver (v. li.) vom Arbeitskreis »Jüdisches Leben in Rahden« für die Unterstützung zu den Projekttagen.

Projekttag »Jüdisches Leben in Rahden«

Die Schüler-vertretung des Gymnasiums erinnert mit ihrer Projektarbeit an die Judenver-folgung in Rahden

Bjane Lehde (li.) und Marah Priesmeier (re.) bedankten sich im Namen der Schülervertretung bei Sigrid Lindemann, Monika Büntemeyer und Edith Stöver (v. li.) vom Arbeitskreis »Jüdisches Leben in Rahden« für die Unterstützung zu den Projekttagen.