Gedenken am 10. November 2022

Der Arbeitskreis »Jüdisches Leben in Rahden« erinnert jedes Jahr mit einer Gedenkveranstaltung an die Verfolgung und an die Pogrome 1938 und setzt damit ein Zeichen gegen das Vergessen.

Am Mittwoch, dem 10. November 2022, lädt Claus-Dieter Brüning, Stadtheimatpfleger und Mitglied des Arbeitskreises, wieder zu einem Stadtrundgang »Auf den Spuren der jüdischen Mitbürger« ein.

Diese sehr interessante und auch emotionale Stadtführung beginnt um 16:30 Uhr am Bahnhofsvorplatz – denn hier erinnert Brüning an Menschen, die von hier über Bielefeld in Vernichtungslager deportiert wurden. Der Rundgang führt über die Bahnhofstraße, Marktstraße, Katzengasse, Steinstr. über die Lemförder Straße. Im Anschluss an den Rundgang wird an jeder Verlegestelle eine Kerze zum Gedenken entzündet und eine Rose niedergelegt.

An den Rundgang schließt sich um 18:00 Uhr eine Gedenkveranstaltung am Platz der Synagoge an. Nach der Begrüßung durch den Bürgermeister Dr. Bert Honsel wird Levi Israel Ufferfilge, ein ehemaliger Schüler des Gymnasiums Rahden, die Gedenkrede halten. Vom »Arbeitskreis Jüdisches Leben in Rahden“ werden danach die Namen der Jüdischen Mitbürger*innen verlesen, die Rahden nach 1933 infolge der Naziherrschaft unfreiwillig verlassen mussten. Das Kaddisch schließt um 18.30 Uhr die Gedenkveranstaltung ab.

 

 

Stolperstein-Verlegung

am 11. Juni

Wir laden zur 4. Verlegung der Stolpersteine in

Rahden, in die Lemförder Straße 15,

am Samstag, 11. Juni 2022, um 11:00 Uhr ein.

 

An der heutigen Lemförder Straße 15 lebte damals die Familie Frank. Es gab zu der Zeit noch keine Straßennamen, daher hieß die Stätte Kleinendorf 58.

 

Julius Frank (*10.10.1867) wurde als 8. Kind von Leffmann und Henriette Frank, geb. Oldenburg, in Rahden geboren. Er wurde am 29. Juli 1942 nach Theresienstadt deportiert. Im Rahmen der Freikaufaktion am 5. Februar 1945 (Schweizer Transport) durfte auch Julius Frank in die Schweiz ausreisen. Dort lebte er in verschiedenen Flüchtlingsheimen. Nur wenige Monate später starb Julius Frank am 5. September 1945 in einem Pflegeheim in Luzern.

 

Paul, gen. Alfred Frank (*15.01.1899) war wie sein Vater Viehhändler. Am 12. Februar 1945 erfolgte die Deportation von Alfred und seinen Kindern  nach Theresienstadt. Nach der Befreiung des Lagers durch die sowjetische Armee im Mai 1945 kam die Familie nach Herford zurück. Nach langen Verhandlungen um sein Eigentum zog Alfred Frank 1957 mit seiner Frau nach Rahden in sein ehemaliges Wohnhaus. Alfred Frank starb 1964 in Hann. Ströhen, dort lebte sein Sohn Walter.

 

Sofie Frank, geb. Obenhaus, (*20.05.1895) konvertierte bei der Heirat mit Alfred zum jüdischen Glauben. Als Einzige der Familie wurde Sofie nicht deportiert. Erst 1957 kehrte sie mit ihrem Ehemann Alfred nach Rahden zurück. Sofie Frank starb 1966 in Hann. Ströhen.

 

Elfriede Frank (*22.04.1922), die älteste Tochter von Alfred und Sofie, wurde am 12. Februar 1945 nach Theresienstadt deportiert. Nach der Befreiung des Lagers kehrte Elfriede im Juni 1945 nach Herford zurück. 1952 heiratete sie Herbert Heinemann aus Herford. Die Ehe blieb kinderlos. Elfriede Frank starb 2007 in Bottrop.

 

Siegfried Frank (*15.03.1924) wurde 1940 verhaftet und war bis zu seiner Verschleppung im November 1944 nach Theresienstadt in verschiedenen Arbeitslagern und Gefängnissen der Gestapo. Im Juni 1945 kehrte er nach Herford zurück. Er erlernte den Viehhandel bei seinem Vater. 1960 zog er nach Rahden und gründete hier eine Familie. In Fabbenstedt führte er mit seiner Frau Ingrid eine Gaststätte. Später zog das Ehepaar mit seiner Tochter in den Bremer Raum. Siegfried Frank starb 1981 in Syke.

 

Luise Frank (*04.01.1926) war das Sorgenkind der Familie. Sie litt an einer Gehbehinderung und an der Schilddrüsenkrankheit Morbus Basedow. Sie lebte schon sehr früh im Jüdischen Waisenhaus in Paderborn, denn ab 1938 war ein Schulbesuch an öffentlichen Schulen für jüdische Kinder nicht mehr erlaubt. Luise starb mit 17 Jahren an den Folgen ihrer Krankheit, da eine medizinische Versorgung, u.a. bedingt durch den Hausarrest, für die Familie nicht möglich war.

 

Käthe Frank (*07.03.1927) hatte ein ähnliches Schicksal wie ihre Schwester Elfriede. Nachdem auch sie mehrere Jahre im Jüdischen Waisenhaus untergebracht war, folgten Zwangsarbeit und Deportation in die Lager Elben und Theresienstadt. Drei Jahre nach der Befreiung heiratete sie den Engländer William McGuire. Die Familie lebte mit fünf Kindern in Großbritannien. Käthe Frank starb 2006 in Doncaster, GB.

 

Walter Frank (*07.12.1929), das jüngste Familienmitglied, lebte wie seine Schwestern seit 1938 im Jüdischen Waisenhaus in Paderborn. Bereits im Alter von 13 Jahren leistete er Zwangsarbeit in einer Möbelfabrik. Im Februar 1945 wurde auch er in das Lager Theresienstadt deportiert. Er kehrte mit seiner Familie im Juni 1945 nach Herford zurück. Walter Frank arbeitete als Viehhändler bei seinem Vater. Er heiratete 1960 und führte mit seiner Frau Gisela die Gaststätte Spreen in Hann.-Ströhen. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor. Walter Frank starb 2007.

Gedenkveranstaltung

10. November 2021

Wir erinnern an die Verfolgung und die Pogromnacht

Stadtführung mit Claus-Dieter Brüning um 16:30 Uhr

 

Die Bürger jüdischen Glaubens lebten in Rahden wie alle anderen auch. Sie gingen ihren Berufen nach, kümmerten sich um ihre Familien und engagierten sich im kulturellen und politischen Leben ihres Heimatorts. Doch spätestens mit dem Machtantritt der Nationalsozialisten im Jahr 1933 wurde ihnen das verwehrt, sie wurden drangsaliert und verfolgt, erschlagen, erschossen oder vergast. In den Abendstunden des 10. November 1938 wurde die Synagoge in Rahden in Brand gesetzt. Unter den Augen zahlreicher Einwohner und der Feuerwehr brannte das Gebäude bis auf die Grundmauern nieder. Während des Pogroms wurden auch Wohnungen jüdischer Familien verwüstet und geplündert, ihre Bewohner misshandelt. Und wenn sie ihr Leben retten konnten, dann verloren sie zumindest ihre Heimat. Der Arbeitskreis »Jüdisches Leben in Rahden« erinnert jedes Jahr mit einer Gedenkveranstaltung an die Verfolgung und an die Pogromnacht und setzt damit ein Zeichen gegen das Vergessen.

 

Am Mittwoch, dem 10. November 2021, lädt Claus-Dieter Brüning, Stadtheimatpfleger und Mitglied des Arbeitskreises, wieder zu einem Stadtrundgang »Auf den Spuren der jüdischen Mitbürger« ein.

Diese sehr interessante und auch emotionale Stadtführung beginnt um 16:30 Uhr am Bahnhofsvorplatz – denn hier erinnert Brüning an Menschen, die von hier über Bielefeld in Vernichtungslager deportiert wurden.

 

Weiter geht es in die Bahnhofstraße, in der einige jüdische Familien gewohnt haben. Heute erinnern Stolpersteine vor den Häusern an die Familien Haas, Heine, Weidenbaum und Horwitz – Brüning weiß einige Geschichten der Familien zu erzählen.

 

In der Marktstraße wird z. B. über die Familie Julius Ginsberg berichtet. Nach dem Zwangsverkauf ihres Hauses in der Marktstraße 1941 lebten Julius, Clara und Ruth Ginsberg hier noch bis 1942. Am 31. März 1942 wurde die Familie von Bielefeld aus ins Ghetto Warschau deportiert und später ermordet.

 

Die Stadtführung führt über die Steinstraße/Ecke Lemförder Straße, wo Familie Frank gewohnt hat bis in die Lange Straße. Hier wohnten in unmittelbarer Nähe der ehemaligen Synagoge die Familie Goldstein ( das Haus wurde 1939 zwangsverkauft. Alle Familienmitglieder konnten rechtzeitig auswandern, so dass sie den Krieg überlebten) und Familie Vogel. Bis auf Sohn Paul Vogel wurden alle anderen Familienmitglieder nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

 

An den Rundgang schließt sich um 18:00 Uhr eine Gedenkveranstaltung am Platz der Synagoge mit einer Gedenkrede von Dr. Roland Mettenbrink an.

 

Eine Anmeldung zu dieser Stadtführung und anschließender Gedenkveranstaltung ist nicht notwendig. Die 3G-Regeln und der Abstand zu allen Teilnehmenden ist einzuhalten.

 

Dienstag, 10. November 2020

 

10.11.2020 - Stilles Gedenken an jüdische Bürger

 

Auch wenn die Gedenkveranstaltung am Platz der Synagoge in diesem Jahr coronabedingt nicht in größerem Rahmen stattfinden konnte, haben  Mitglieder des Arbeitskreises „Jüdisches Leben in Rahden“ gestern im kleinsten Kreis spontan einen Stadtrundgang unternommen und an allen zehn Verlegeorten der Stolpersteine eine Rose und eine Kerze niedergelegt. Interessant war, dass mehrere vorbeifahrende Autofahrer anhielten, um sich nach dem Sinn dieser Aktion zu erkundigen. Gerne erteilten die Arbeitskreismitglieder Auskunft. Solche Gespräche bestätigen, dass die Stolpersteine notwendig und sinnvoll sind.

 

Herr Dr. Werner Kreft stellte dem Arbeitskreis „Jüdisches Leben in Rahden" vor seine Gedenkrede zur Verfügung, die er sonst am 10. November auf dem Platz der Synagoge gehalten hätte, die wir hier in Auszügen wiedergeben.

 

Er schreibt:

 

„Aus gutem Grund wird jährlich am 10. November auf dem Platz der Synagoge der Reichspogromnacht 1938 gedacht, in der die Synagoge niedergebrannt wurde, die jüdischen Mitbürger/innen gedemütigt und schikaniert wurden und deren Häuser demoliert wurden. ( Gedacht wird der Shoa mit den 6 Millionen getöteter Frauen, Männer und Kinder.) Bei dem täglich wahrnehmbaren Antisemitismus sollte dies für die Gegenwart in Erinnerung gerufen werden.

 

Antisemitismus gab es schon Jahrzehnte vor den Nazis mit Unterstellungen und Benachteiligungen. Aber ebenso gab es ein bürgerliches Miteinander, gelebt in guter Nachbarschaft und Freundschaft im Rahdener Vereinsleben."

 

Dieser 10. November vor 82 Jahren war der Beginn des Terrors gegen deutsche Bürger jüdischen Glaubens, die hier wohnten, die hier lebten, hier in unserer Stadt. Mitten unter uns! Sie wurden gedemütigt, verfolgt oder ermordet, nur weil sie einen anderen Glauben hatten.

 

Die bekannteste Verschwörungstheorie war die der sogenannten Weisen von Zion, wonach das Judentum die Weltherrschaft anstrebe. Der zaristische Geheimdienst hatte dieses Pamphlet verfasst, um die Pogrome im Zarenreich zu rechtfertigen. Schon kurze Zeit später wies die englische Presse die tatsächliche Urheberschaft nach. Kein Grund für die Nazipropaganda noch Jahrzehnte später von der angeblichen Weltherrschaft der Juden zu faseln.

 

Heute erleben wir wieder Hetze, Verleumdungen, Verschwörungstheorien und Gewalt gegen unsere jüdischen Mitbürger. Unsere Verpflichtung aus der Vergangenheit und Ziel unseres Denkens und Handelns muss sein: Jede Synagoge muss so sicher und offen sein wie unsere Kirchen. Eine Kippa und den Davidsstern zu tragen muss so selbstverständlich sein, wie eine Mütze oder ein Kreuz. Wir sind verpflichtet gegen Antisemitismus argumentativ Stellung zu beziehen und unsere staatlichen Organe anzuhalten, Meinungsfreiheit und Hetze nicht zu verwechseln, sondern zu sanktionieren und nicht auf „Bewährung" zu dulden.

Lassen Sie uns als Christen, denen die hebräische Bibel zum Kanon gehört, für unsere geistlich älteren Geschwister und als Deutsche mit oder ohne religiöse Bindung „Schutzengel" sein für die jüdischen Mitbürger in unserem Land."

Montag, 27. Januar 2020

 

Lesung zum Gedenken an die Opfer „Heute vor 75 Jahren“

 

Am 27. Januar, dem 75. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz  fand auf Initiative des Arbeitskreises „Jüdisches Leben in Rahden“ im Bahnhof eine Gedenkveranstaltung statt. Eingeladen war die Espelkamper Autorin und Verlegerin Marlies Kalbhenn, die gemeinsam mit ihrem Mann, Hans-Georg Kalbhenn, sowie Inge Hartmann, Uta Hartmeier, Helga Kron und Sigrid Lindemann Auszüge aus verschiedenen Büchern von Zeitzeugen und Opfern vortrug. Monika Büntemeyer begrüßte im Namen des Arbeitskreises mehr als 100 Besucher.

„Seid nicht gleichgültig“, so hatte einer der vier Redner in Auschwitz (Marian Turski, ein 93jähriger Überlebender) wenige Stunden zuvor gesagt, sei eine Art 11. Gebot.

Es sei unsere Pflicht, die Erinnerung an die Gräueltaten wach zu halten -   auch durch eine Lesung von Zeitzeugenberichten könne man ein Zeichen setzen, so Büntemeyer. Gelesen wurde aus den Tagebüchern von 1933 bis 1942 von Ruth Maier - der „Anne Frank Norwegens“-, außerdem aus Cordelia Edvardson „Gebranntes Kind sucht das Feuer“. Die Tochter von Elisabeth Langgässer hatte als uneheliches Kind eines jüdischen Vaters Theresienstadt und Auschwitz überlebt und ihre Erinnerungen 1984 zunächst in Schweden veröffentlicht. Zwei Jahre später erschien das Buch in Deutschland. Noch im selben Jahr erhielt sie dafür den Geschwister-Scholl-Preis.

Hans-Georg Kalbhenn ließ die Stimme seines Schwiegervaters sprechen. Herbert Höner hatte 1998 - als ehemaliger Synodalpfarrer des Kirchenkreises Bielefeld -  eine Rede zur Einweihung einer Gedenkplakette am Bielefelder Bahnhof für die abtransportierten Juden aus unserer Region, darunter auch die Rahdener Juden, gehalten, in der er sich an einen jüdischen Schulfreund erinnerte, der als Einziger der Familie die Deportation überlebte („Ein Junge namens Günter W.“, aus: Herbert Höner „Sprechen Sie bitte von unten“).

 

Der Arbeitskreis ergänzte die Lesung mit einer Fotowand mit aktuellen Zeitungsberichten zum Thema „75 Jahre Befreiung von Auschwitz“ und bedankt sich bei allen, die gekommen sind und gespendet haben.

 

Die sorgfältig zusammengestellte Textauswahl mit regionalem Bezug und der angemessene und feinfühlige Vortrag der einzelnen Sprecher ließen das Publikum beklemmend still werden. Im Hintergrund blickte man auf ein Schwarzweiß-Foto einer Frau mit Kindern vor einem hohen Stacheldrahtzaun in Auschwitz. Jeder Anwesende hatte da sicherlich seine ganz eigenen Gedanken und Bilder im Kopf.

Arbeitskreis Jüdisches Leben in Rahden

Claus-Dieter Brüning

Am Freibad 16, 32369 Rahden

E-Mail: mail@juedisches-leben-rahden.de

Datenschutz         Impressum

Gedenken am 10. November 2022

Der Arbeitskreis »Jüdisches Leben in Rahden« erinnert jedes Jahr mit einer Gedenkveranstaltung an die Verfolgung und an die Pogrome 1938 und setzt damit ein Zeichen gegen das Vergessen.

Am Mittwoch, dem 10. November 2022, lädt Claus-Dieter Brüning, Stadtheimatpfleger und Mitglied des Arbeitskreises, wieder zu einem Stadtrundgang »Auf den Spuren der jüdischen Mitbürger« ein.

Diese sehr interessante und auch emotionale Stadtführung beginnt um 16:30 Uhr am Bahnhofsvorplatz – denn hier erinnert Brüning an Menschen, die von hier über Bielefeld in Vernichtungslager deportiert wurden. Der Rundgang führt über die Bahnhofstraße, Marktstraße, Katzengasse, Steinstr. über die Lemförder Straße. Im Anschluss an den Rundgang wird an jeder Verlegestelle eine Kerze zum Gedenken entzündet und eine Rose niedergelegt.

An den Rundgang schließt sich um 18:00 Uhr eine Gedenkveranstaltung am Platz der Synagoge an. Nach der Begrüßung durch den Bürgermeister Dr. Bert Honsel wird Levi Israel Ufferfilge, ein ehemaliger Schüler des Gymnasiums Rahden, die Gedenkrede halten. Vom »Arbeitskreis Jüdisches Leben in Rahden“ werden danach die Namen der Jüdischen Mitbürger*innen verlesen, die Rahden nach 1933 infolge der Naziherrschaft unfreiwillig verlassen mussten. Das Kaddisch schließt um 18.30 Uhr die Gedenkveranstaltung ab.

 

 

Stolperstein-Verlegung am 11. Juni

Wir laden zur 4. Verlegung der Stolpersteine in Rahden, in die Lemförder Straße 15,

am Samstag, 11. Juni 2022, um 11:00 Uhr ein.

 

An der heutigen Lemförder Straße 15 lebte damals die Familie Frank. Es gab zu der Zeit noch keine Straßennamen, daher hieß die Stätte Kleinendorf 58.

 

Julius Frank (*10.10.1867) wurde als 8. Kind von Leffmann und Henriette Frank, geb. Oldenburg, in Rahden geboren. Er wurde am 29. Juli 1942 nach Theresienstadt deportiert. Im Rahmen der Freikaufaktion am 5. Februar 1945 (Schweizer Transport) durfte auch Julius Frank in die Schweiz ausreisen. Dort lebte er in verschiedenen Flüchtlingsheimen. Nur wenige Monate später starb Julius Frank am 5. September 1945 in einem Pflegeheim in Luzern.

 

Paul, gen. Alfred Frank (*15.01.1899) war wie sein Vater Viehhändler. Am 12. Februar 1945 erfolgte die Deportation von Alfred und seinen Kindern  nach Theresienstadt. Nach der Befreiung des Lagers durch die sowjetische Armee im Mai 1945 kam die Familie nach Herford zurück. Nach langen Verhandlungen um sein Eigentum zog Alfred Frank 1957 mit seiner Frau nach Rahden in sein ehemaliges Wohnhaus. Alfred Frank starb 1964 in Hann. Ströhen, dort lebte sein Sohn Walter.

 

Sofie Frank, geb. Obenhaus, (*20.05.1895) konvertierte bei der Heirat mit Alfred zum jüdischen Glauben. Als Einzige der Familie wurde Sofie nicht deportiert. Erst 1957 kehrte sie mit ihrem Ehemann Alfred nach Rahden zurück. Sofie Frank starb 1966 in Hann. Ströhen.

 

Elfriede Frank (*22.04.1922), die älteste Tochter von Alfred und Sofie, wurde am 12. Februar 1945 nach Theresienstadt deportiert. Nach der Befreiung des Lagers kehrte Elfriede im Juni 1945 nach Herford zurück. 1952 heiratete sie Herbert Heinemann aus Herford. Die Ehe blieb kinderlos. Elfriede Frank starb 2007 in Bottrop.

 

Siegfried Frank (*15.03.1924) wurde 1940 verhaftet und war bis zu seiner Verschleppung im November 1944 nach Theresienstadt in verschiedenen Arbeitslagern und Gefängnissen der Gestapo. Im Juni 1945 kehrte er nach Herford zurück. Er erlernte den Viehhandel bei seinem Vater. 1960 zog er nach Rahden und gründete hier eine Familie. In Fabbenstedt führte er mit seiner Frau Ingrid eine Gaststätte. Später zog das Ehepaar mit seiner Tochter in den Bremer Raum. Siegfried Frank starb 1981 in Syke.

 

Luise Frank (*04.01.1926) war das Sorgenkind der Familie. Sie litt an einer Gehbehinderung und an der Schilddrüsenkrankheit Morbus Basedow. Sie lebte schon sehr früh im Jüdischen Waisenhaus in Paderborn, denn ab 1938 war ein Schulbesuch an öffentlichen Schulen für jüdische Kinder nicht mehr erlaubt. Luise starb mit 17 Jahren an den Folgen ihrer Krankheit, da eine medizinische Versorgung, u.a. bedingt durch den Hausarrest, für die Familie nicht möglich war.

 

Käthe Frank (*07.03.1927) hatte ein ähnliches Schicksal wie ihre Schwester Elfriede. Nachdem auch sie mehrere Jahre im Jüdischen Waisenhaus untergebracht war, folgten Zwangsarbeit und Deportation in die Lager Elben und Theresienstadt. Drei Jahre nach der Befreiung heiratete sie den Engländer William McGuire. Die Familie lebte mit fünf Kindern in Großbritannien. Käthe Frank starb 2006 in Doncaster, GB.

 

Walter Frank (*07.12.1929), das jüngste Familienmitglied, lebte wie seine Schwestern seit 1938 im Jüdischen Waisenhaus in Paderborn. Bereits im Alter von 13 Jahren leistete er Zwangsarbeit in einer Möbelfabrik. Im Februar 1945 wurde auch er in das Lager Theresienstadt deportiert. Er kehrte mit seiner Familie im Juni 1945 nach Herford zurück. Walter Frank arbeitete als Viehhändler bei seinem Vater. Er heiratete 1960 und führte mit seiner Frau Gisela die Gaststätte Spreen in Hann.-Ströhen. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor. Walter Frank starb 2007.

Gedenkveranstaltung

10. November 2021

Wir erinnern an die Verfolgung und die Pogromnacht

Stadtführung mit Claus-Dieter Brüning um 16:30 Uhr

 

Die Bürger jüdischen Glaubens lebten in Rahden wie alle anderen auch. Sie gingen ihren Berufen nach, kümmerten sich um ihre Familien und engagierten sich im kulturellen und politischen Leben ihres Heimatorts. Doch spätestens mit dem Machtantritt der Nationalsozialisten im Jahr 1933 wurde ihnen das verwehrt, sie wurden drangsaliert und verfolgt, erschlagen, erschossen oder vergast. In den Abendstunden des 10. November 1938 wurde die Synagoge in Rahden in Brand gesetzt. Unter den Augen zahlreicher Einwohner und der Feuerwehr brannte das Gebäude bis auf die Grundmauern nieder. Während des Pogroms wurden auch Wohnungen jüdischer Familien verwüstet und geplündert, ihre Bewohner misshandelt. Und wenn sie ihr Leben retten konnten, dann verloren sie zumindest ihre Heimat. Der Arbeitskreis »Jüdisches Leben in Rahden« erinnert jedes Jahr mit einer Gedenkveranstaltung an die Verfolgung und an die Pogromnacht und setzt damit ein Zeichen gegen das Vergessen.

 

Am Mittwoch, dem 10. November 2021, lädt Claus-Dieter Brüning, Stadtheimatpfleger und Mitglied des Arbeitskreises, wieder zu einem Stadtrundgang »Auf den Spuren der jüdischen Mitbürger« ein.

Diese sehr interessante und auch emotionale Stadtführung beginnt um 16:30 Uhr am Bahnhofsvorplatz – denn hier erinnert Brüning an Menschen, die von hier über Bielefeld in Vernichtungslager deportiert wurden.

 

Weiter geht es in die Bahnhofstraße, in der einige jüdische Familien gewohnt haben. Heute erinnern Stolpersteine vor den Häusern an die Familien Haas, Heine, Weidenbaum und Horwitz – Brüning weiß einige Geschichten der Familien zu erzählen.

 

In der Marktstraße wird z. B. über die Familie Julius Ginsberg berichtet. Nach dem Zwangsverkauf ihres Hauses in der Marktstraße 1941 lebten Julius, Clara und Ruth Ginsberg hier noch bis 1942. Am 31. März 1942 wurde die Familie von Bielefeld aus ins Ghetto Warschau deportiert und später ermordet.

 

Die Stadtführung führt über die Steinstraße/Ecke Lemförder Straße, wo Familie Frank gewohnt hat bis in die Lange Straße. Hier wohnten in unmittelbarer Nähe der ehemaligen Synagoge die Familie Goldstein ( das Haus wurde 1939 zwangsverkauft. Alle Familienmitglieder konnten rechtzeitig auswandern, so dass sie den Krieg überlebten) und Familie Vogel. Bis auf Sohn Paul Vogel wurden alle anderen Familienmitglieder nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

 

An den Rundgang schließt sich um 18:00 Uhr eine Gedenkveranstaltung am Platz der Synagoge mit einer Gedenkrede von Dr. Roland Mettenbrink an.

 

Eine Anmeldung zu dieser Stadtführung und anschließender Gedenkveranstaltung ist nicht notwendig. Die 3G-Regeln und der Abstand zu allen Teilnehmenden ist einzuhalten.

 

Dienstag, 10. November 2020

 

10.11.2020 - Stilles Gedenken an jüdische Bürger

 

Auch wenn die Gedenkveranstaltung am Platz der Synagoge in diesem Jahr coronabedingt nicht in größerem Rahmen stattfinden konnte, haben  Mitglieder des Arbeitskreises „Jüdisches Leben in Rahden“ gestern im kleinsten Kreis spontan einen Stadtrundgang unternommen und an allen zehn Verlegeorten der Stolpersteine eine Rose und eine Kerze niedergelegt. Interessant war, dass mehrere vorbeifahrende Autofahrer anhielten, um sich nach dem Sinn dieser Aktion zu erkundigen. Gerne erteilten die Arbeitskreismitglieder Auskunft. Solche Gespräche bestätigen, dass die Stolpersteine notwendig und sinnvoll sind.

 

Herr Dr. Werner Kreft stellte dem Arbeitskreis „Jüdisches Leben in Rahden" vor seine Gedenkrede zur Verfügung, die er sonst am 10. November auf dem Platz der Synagoge gehalten hätte, die wir hier in Auszügen wiedergeben.

 

Er schreibt:

 

„Aus gutem Grund wird jährlich am 10. November auf dem Platz der Synagoge der Reichspogromnacht 1938 gedacht, in der die Synagoge niedergebrannt wurde, die jüdischen Mitbürger/innen gedemütigt und schikaniert wurden und deren Häuser demoliert wurden. ( Gedacht wird der Shoa mit den 6 Millionen getöteter Frauen, Männer und Kinder.) Bei dem täglich wahrnehmbaren Antisemitismus sollte dies für die Gegenwart in Erinnerung gerufen werden.

 

Antisemitismus gab es schon Jahrzehnte vor den Nazis mit Unterstellungen und Benachteiligungen. Aber ebenso gab es ein bürgerliches Miteinander, gelebt in guter Nachbarschaft und Freundschaft im Rahdener Vereinsleben."

 

Dieser 10. November vor 82 Jahren war der Beginn des Terrors gegen deutsche Bürger jüdischen Glaubens, die hier wohnten, die hier lebten, hier in unserer Stadt. Mitten unter uns! Sie wurden gedemütigt, verfolgt oder ermordet, nur weil sie einen anderen Glauben hatten.

 

Die bekannteste Verschwörungstheorie war die der sogenannten Weisen von Zion, wonach das Judentum die Weltherrschaft anstrebe. Der zaristische Geheimdienst hatte dieses Pamphlet verfasst, um die Pogrome im Zarenreich zu rechtfertigen. Schon kurze Zeit später wies die englische Presse die tatsächliche Urheberschaft nach. Kein Grund für die Nazipropaganda noch Jahrzehnte später von der angeblichen Weltherrschaft der Juden zu faseln.

 

Heute erleben wir wieder Hetze, Verleumdungen, Verschwörungstheorien und Gewalt gegen unsere jüdischen Mitbürger. Unsere Verpflichtung aus der Vergangenheit und Ziel unseres Denkens und Handelns muss sein: Jede Synagoge muss so sicher und offen sein wie unsere Kirchen. Eine Kippa und den Davidsstern zu tragen muss so selbstverständlich sein, wie eine Mütze oder ein Kreuz. Wir sind verpflichtet gegen Antisemitismus argumentativ Stellung zu beziehen und unsere staatlichen Organe anzuhalten, Meinungsfreiheit und Hetze nicht zu verwechseln, sondern zu sanktionieren und nicht auf „Bewährung" zu dulden.

Lassen Sie uns als Christen, denen die hebräische Bibel zum Kanon gehört, für unsere geistlich älteren Geschwister und als Deutsche mit oder ohne religiöse Bindung „Schutzengel" sein für die jüdischen Mitbürger in unserem Land."

Montag, 27. Januar 2020

 

Lesung zum Gedenken an die Opfer „Heute vor 75 Jahren“

 

Am 27. Januar, dem 75. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz  fand auf Initiative des Arbeitskreises „Jüdisches Leben in Rahden“ im Bahnhof eine Gedenkveranstaltung statt. Eingeladen war die Espelkamper Autorin und Verlegerin Marlies Kalbhenn, die gemeinsam mit ihrem Mann, Hans-Georg Kalbhenn, sowie Inge Hartmann, Uta Hartmeier, Helga Kron und Sigrid Lindemann Auszüge aus verschiedenen Büchern von Zeitzeugen und Opfern vortrug. Monika Büntemeyer begrüßte im Namen des Arbeitskreises mehr als 100 Besucher.

„Seid nicht gleichgültig“, so hatte einer der vier Redner in Auschwitz (Marian Turski, ein 93jähriger Überlebender) wenige Stunden zuvor gesagt, sei eine Art 11. Gebot.

Es sei unsere Pflicht, die Erinnerung an die Gräueltaten wach zu halten -   auch durch eine Lesung von Zeitzeugenberichten könne man ein Zeichen setzen, so Büntemeyer. Gelesen wurde aus den Tagebüchern von 1933 bis 1942 von Ruth Maier - der „Anne Frank Norwegens“-, außerdem aus Cordelia Edvardson „Gebranntes Kind sucht das Feuer“. Die Tochter von Elisabeth Langgässer hatte als uneheliches Kind eines jüdischen Vaters Theresienstadt und Auschwitz überlebt und ihre Erinnerungen 1984 zunächst in Schweden veröffentlicht. Zwei Jahre später erschien das Buch in Deutschland. Noch im selben Jahr erhielt sie dafür den Geschwister-Scholl-Preis.

Hans-Georg Kalbhenn ließ die Stimme seines Schwiegervaters sprechen. Herbert Höner hatte 1998 - als ehemaliger Synodalpfarrer des Kirchenkreises Bielefeld -  eine Rede zur Einweihung einer Gedenkplakette am Bielefelder Bahnhof für die abtransportierten Juden aus unserer Region, darunter auch die Rahdener Juden, gehalten, in der er sich an einen jüdischen Schulfreund erinnerte, der als Einziger der Familie die Deportation überlebte („Ein Junge namens Günter W.“, aus: Herbert Höner „Sprechen Sie bitte von unten“).

 

Der Arbeitskreis ergänzte die Lesung mit einer Fotowand mit aktuellen Zeitungsberichten zum Thema „75 Jahre Befreiung von Auschwitz“ und bedankt sich bei allen, die gekommen sind und gespendet haben.

 

Die sorgfältig zusammengestellte Textauswahl mit regionalem Bezug und der angemessene und feinfühlige Vortrag der einzelnen Sprecher ließen das Publikum beklemmend still werden. Im Hintergrund blickte man auf ein Schwarzweiß-Foto einer Frau mit Kindern vor einem hohen Stacheldrahtzaun in Auschwitz. Jeder Anwesende hatte da sicherlich seine ganz eigenen Gedanken und Bilder im Kopf.

Gedenken am 10. November 2022

Der Arbeitskreis »Jüdisches Leben in Rahden« erinnert jedes Jahr mit einer Gedenkveranstaltung an die Verfolgung und an die Pogrome 1938 und setzt damit ein Zeichen gegen das Vergessen.

Am Mittwoch, dem 10. November 2022, lädt Claus-Dieter Brüning, Stadtheimatpfleger und Mitglied des Arbeitskreises, wieder zu einem Stadtrundgang »Auf den Spuren der jüdischen Mitbürger« ein.

Diese sehr interessante und auch emotionale Stadtführung beginnt um 16:30 Uhr am Bahnhofsvorplatz – denn hier erinnert Brüning an Menschen, die von hier über Bielefeld in Vernichtungslager deportiert wurden. Der Rundgang führt über die Bahnhofstraße, Marktstraße, Katzengasse, Steinstr. über die Lemförder Straße. Im Anschluss an den Rundgang wird an jeder Verlegestelle eine Kerze zum Gedenken entzündet und eine Rose niedergelegt.

An den Rundgang schließt sich um 18:00 Uhr eine Gedenkveranstaltung am Platz der Synagoge an. Nach der Begrüßung durch den Bürgermeister Dr. Bert Honsel wird Levi Israel Ufferfilge, ein ehemaliger Schüler des Gymnasiums Rahden, die Gedenkrede halten. Vom »Arbeitskreis Jüdisches Leben in Rahden“ werden danach die Namen der Jüdischen Mitbürger*innen verlesen, die Rahden nach 1933 infolge der Naziherrschaft unfreiwillig verlassen mussten. Das Kaddisch schließt um 18.30 Uhr die Gedenkveranstaltung ab.

 

 

Stolperstein-Verlegung

am 11. Juni

Wir laden zur 4. Verlegung der Stolpersteine in

Rahden, in die Lemförder Straße 15,

am Samstag, 11. Juni 2022, um 11:00 Uhr ein.

 

An der heutigen Lemförder Straße 15 lebte damals die Familie Frank. Es gab zu der Zeit noch keine Straßennamen, daher hieß die Stätte Kleinendorf 58.

 

Julius Frank (*10.10.1867) wurde als 8. Kind von Leffmann und Henriette Frank, geb. Oldenburg, in Rahden geboren. Er wurde am 29. Juli 1942 nach Theresienstadt deportiert. Im Rahmen der Freikaufaktion am 5. Februar 1945 (Schweizer Transport) durfte auch Julius Frank in die Schweiz ausreisen. Dort lebte er in verschiedenen Flüchtlingsheimen. Nur wenige Monate später starb Julius Frank am 5. September 1945 in einem Pflegeheim in Luzern.

 

Paul, gen. Alfred Frank (*15.01.1899) war wie sein Vater Viehhändler. Am 12. Februar 1945 erfolgte die Deportation von Alfred und seinen Kindern  nach Theresienstadt. Nach der Befreiung des Lagers durch die sowjetische Armee im Mai 1945 kam die Familie nach Herford zurück. Nach langen Verhandlungen um sein Eigentum zog Alfred Frank 1957 mit seiner Frau nach Rahden in sein ehemaliges Wohnhaus. Alfred Frank starb 1964 in Hann. Ströhen, dort lebte sein Sohn Walter.

 

Sofie Frank, geb. Obenhaus, (*20.05.1895) konvertierte bei der Heirat mit Alfred zum jüdischen Glauben. Als Einzige der Familie wurde Sofie nicht deportiert. Erst 1957 kehrte sie mit ihrem Ehemann Alfred nach Rahden zurück. Sofie Frank starb 1966 in Hann. Ströhen.

 

Elfriede Frank (*22.04.1922), die älteste Tochter von Alfred und Sofie, wurde am 12. Februar 1945 nach Theresienstadt deportiert. Nach der Befreiung des Lagers kehrte Elfriede im Juni 1945 nach Herford zurück. 1952 heiratete sie Herbert Heinemann aus Herford. Die Ehe blieb kinderlos. Elfriede Frank starb 2007 in Bottrop.

 

Siegfried Frank (*15.03.1924) wurde 1940 verhaftet und war bis zu seiner Verschleppung im November 1944 nach Theresienstadt in verschiedenen Arbeitslagern und Gefängnissen der Gestapo. Im Juni 1945 kehrte er nach Herford zurück. Er erlernte den Viehhandel bei seinem Vater. 1960 zog er nach Rahden und gründete hier eine Familie. In Fabbenstedt führte er mit seiner Frau Ingrid eine Gaststätte. Später zog das Ehepaar mit seiner Tochter in den Bremer Raum. Siegfried Frank starb 1981 in Syke.

 

Luise Frank (*04.01.1926) war das Sorgenkind der Familie. Sie litt an einer Gehbehinderung und an der Schilddrüsenkrankheit Morbus Basedow. Sie lebte schon sehr früh im Jüdischen Waisenhaus in Paderborn, denn ab 1938 war ein Schulbesuch an öffentlichen Schulen für jüdische Kinder nicht mehr erlaubt. Luise starb mit 17 Jahren an den Folgen ihrer Krankheit, da eine medizinische Versorgung, u.a. bedingt durch den Hausarrest, für die Familie nicht möglich war.

 

Käthe Frank (*07.03.1927) hatte ein ähnliches Schicksal wie ihre Schwester Elfriede. Nachdem auch sie mehrere Jahre im Jüdischen Waisenhaus untergebracht war, folgten Zwangsarbeit und Deportation in die Lager Elben und Theresienstadt. Drei Jahre nach der Befreiung heiratete sie den Engländer William McGuire. Die Familie lebte mit fünf Kindern in Großbritannien. Käthe Frank starb 2006 in Doncaster, GB.

 

Walter Frank (*07.12.1929), das jüngste Familienmitglied, lebte wie seine Schwestern seit 1938 im Jüdischen Waisenhaus in Paderborn. Bereits im Alter von 13 Jahren leistete er Zwangsarbeit in einer Möbelfabrik. Im Februar 1945 wurde auch er in das Lager Theresienstadt deportiert. Er kehrte mit seiner Familie im Juni 1945 nach Herford zurück. Walter Frank arbeitete als Viehhändler bei seinem Vater. Er heiratete 1960 und führte mit seiner Frau Gisela die Gaststätte Spreen in Hann.-Ströhen. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor. Walter Frank starb 2007.

Gedenkveranstaltung

10. November 2021

Wir erinnern an die Verfolgung und die Pogromnacht

Stadtführung mit Claus-Dieter Brüning um 16:30 Uhr

 

Die Bürger jüdischen Glaubens lebten in Rahden wie alle anderen auch. Sie gingen ihren Berufen nach, kümmerten sich um ihre Familien und engagierten sich im kulturellen und politischen Leben ihres Heimatorts. Doch spätestens mit dem Machtantritt der Nationalsozialisten im Jahr 1933 wurde ihnen das verwehrt, sie wurden drangsaliert und verfolgt, erschlagen, erschossen oder vergast. In den Abendstunden des 10. November 1938 wurde die Synagoge in Rahden in Brand gesetzt. Unter den Augen zahlreicher Einwohner und der Feuerwehr brannte das Gebäude bis auf die Grundmauern nieder. Während des Pogroms wurden auch Wohnungen jüdischer Familien verwüstet und geplündert, ihre Bewohner misshandelt. Und wenn sie ihr Leben retten konnten, dann verloren sie zumindest ihre Heimat. Der Arbeitskreis »Jüdisches Leben in Rahden« erinnert jedes Jahr mit einer Gedenkveranstaltung an die Verfolgung und an die Pogromnacht und setzt damit ein Zeichen gegen das Vergessen.

 

Am Mittwoch, dem 10. November 2021, lädt Claus-Dieter Brüning, Stadtheimatpfleger und Mitglied des Arbeitskreises, wieder zu einem Stadtrundgang »Auf den Spuren der jüdischen Mitbürger« ein.

Diese sehr interessante und auch emotionale Stadtführung beginnt um 16:30 Uhr am Bahnhofsvorplatz – denn hier erinnert Brüning an Menschen, die von hier über Bielefeld in Vernichtungslager deportiert wurden.

 

Weiter geht es in die Bahnhofstraße, in der einige jüdische Familien gewohnt haben. Heute erinnern Stolpersteine vor den Häusern an die Familien Haas, Heine, Weidenbaum und Horwitz – Brüning weiß einige Geschichten der Familien zu erzählen.

 

In der Marktstraße wird z. B. über die Familie Julius Ginsberg berichtet. Nach dem Zwangsverkauf ihres Hauses in der Marktstraße 1941 lebten Julius, Clara und Ruth Ginsberg hier noch bis 1942. Am 31. März 1942 wurde die Familie von Bielefeld aus ins Ghetto Warschau deportiert und später ermordet.

 

Die Stadtführung führt über die Steinstraße/Ecke Lemförder Straße, wo Familie Frank gewohnt hat bis in die Lange Straße. Hier wohnten in unmittelbarer Nähe der ehemaligen Synagoge die Familie Goldstein ( das Haus wurde 1939 zwangsverkauft. Alle Familienmitglieder konnten rechtzeitig auswandern, so dass sie den Krieg überlebten) und Familie Vogel. Bis auf Sohn Paul Vogel wurden alle anderen Familienmitglieder nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

 

An den Rundgang schließt sich um 18:00 Uhr eine Gedenkveranstaltung am Platz der Synagoge mit einer Gedenkrede von Dr. Roland Mettenbrink an.

 

Eine Anmeldung zu dieser Stadtführung und anschließender Gedenkveranstaltung ist nicht notwendig. Die 3G-Regeln und der Abstand zu allen Teilnehmenden ist einzuhalten.

 

Dienstag, 10. November 2020

 

10.11.2020 - Stilles Gedenken an jüdische Bürger

 

Auch wenn die Gedenkveranstaltung am Platz der Synagoge in diesem Jahr coronabedingt nicht in größerem Rahmen stattfinden konnte, haben  Mitglieder des Arbeitskreises „Jüdisches Leben in Rahden“ gestern im kleinsten Kreis spontan einen Stadtrundgang unternommen und an allen zehn Verlegeorten der Stolpersteine eine Rose und eine Kerze niedergelegt. Interessant war, dass mehrere vorbeifahrende Autofahrer anhielten, um sich nach dem Sinn dieser Aktion zu erkundigen. Gerne erteilten die Arbeitskreismitglieder Auskunft. Solche Gespräche bestätigen, dass die Stolpersteine notwendig und sinnvoll sind.

 

Herr Dr. Werner Kreft stellte dem Arbeitskreis „Jüdisches Leben in Rahden" vor seine Gedenkrede zur Verfügung, die er sonst am 10. November auf dem Platz der Synagoge gehalten hätte, die wir hier in Auszügen wiedergeben.

 

Er schreibt:

 

„Aus gutem Grund wird jährlich am 10. November auf dem Platz der Synagoge der Reichspogromnacht 1938 gedacht, in der die Synagoge niedergebrannt wurde, die jüdischen Mitbürger/innen gedemütigt und schikaniert wurden und deren Häuser demoliert wurden. ( Gedacht wird der Shoa mit den 6 Millionen getöteter Frauen, Männer und Kinder.) Bei dem täglich wahrnehmbaren Antisemitismus sollte dies für die Gegenwart in Erinnerung gerufen werden.

 

Antisemitismus gab es schon Jahrzehnte vor den Nazis mit Unterstellungen und Benachteiligungen. Aber ebenso gab es ein bürgerliches Miteinander, gelebt in guter Nachbarschaft und Freundschaft im Rahdener Vereinsleben."

 

Dieser 10. November vor 82 Jahren war der Beginn des Terrors gegen deutsche Bürger jüdischen Glaubens, die hier wohnten, die hier lebten, hier in unserer Stadt. Mitten unter uns! Sie wurden gedemütigt, verfolgt oder ermordet, nur weil sie einen anderen Glauben hatten.

 

Die bekannteste Verschwörungstheorie war die der sogenannten Weisen von Zion, wonach das Judentum die Weltherrschaft anstrebe. Der zaristische Geheimdienst hatte dieses Pamphlet verfasst, um die Pogrome im Zarenreich zu rechtfertigen. Schon kurze Zeit später wies die englische Presse die tatsächliche Urheberschaft nach. Kein Grund für die Nazipropaganda noch Jahrzehnte später von der angeblichen Weltherrschaft der Juden zu faseln.

 

Heute erleben wir wieder Hetze, Verleumdungen, Verschwörungstheorien und Gewalt gegen unsere jüdischen Mitbürger. Unsere Verpflichtung aus der Vergangenheit und Ziel unseres Denkens und Handelns muss sein: Jede Synagoge muss so sicher und offen sein wie unsere Kirchen. Eine Kippa und den Davidsstern zu tragen muss so selbstverständlich sein, wie eine Mütze oder ein Kreuz. Wir sind verpflichtet gegen Antisemitismus argumentativ Stellung zu beziehen und unsere staatlichen Organe anzuhalten, Meinungsfreiheit und Hetze nicht zu verwechseln, sondern zu sanktionieren und nicht auf „Bewährung" zu dulden.

Lassen Sie uns als Christen, denen die hebräische Bibel zum Kanon gehört, für unsere geistlich älteren Geschwister und als Deutsche mit oder ohne religiöse Bindung „Schutzengel" sein für die jüdischen Mitbürger in unserem Land."

Montag, 27. Januar 2020

 

Lesung zum Gedenken an die Opfer „Heute vor 75 Jahren“

 

Am 27. Januar, dem 75. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz  fand auf Initiative des Arbeitskreises „Jüdisches Leben in Rahden“ im Bahnhof eine Gedenkveranstaltung statt. Eingeladen war die Espelkamper Autorin und Verlegerin Marlies Kalbhenn, die gemeinsam mit ihrem Mann, Hans-Georg Kalbhenn, sowie Inge Hartmann, Uta Hartmeier, Helga Kron und Sigrid Lindemann Auszüge aus verschiedenen Büchern von Zeitzeugen und Opfern vortrug. Monika Büntemeyer begrüßte im Namen des Arbeitskreises mehr als 100 Besucher.

„Seid nicht gleichgültig“, so hatte einer der vier Redner in Auschwitz (Marian Turski, ein 93jähriger Überlebender) wenige Stunden zuvor gesagt, sei eine Art 11. Gebot.

Es sei unsere Pflicht, die Erinnerung an die Gräueltaten wach zu halten -   auch durch eine Lesung von Zeitzeugenberichten könne man ein Zeichen setzen, so Büntemeyer. Gelesen wurde aus den Tagebüchern von 1933 bis 1942 von Ruth Maier - der „Anne Frank Norwegens“-, außerdem aus Cordelia Edvardson „Gebranntes Kind sucht das Feuer“. Die Tochter von Elisabeth Langgässer hatte als uneheliches Kind eines jüdischen Vaters Theresienstadt und Auschwitz überlebt und ihre Erinnerungen 1984 zunächst in Schweden veröffentlicht. Zwei Jahre später erschien das Buch in Deutschland. Noch im selben Jahr erhielt sie dafür den Geschwister-Scholl-Preis.

Hans-Georg Kalbhenn ließ die Stimme seines Schwiegervaters sprechen. Herbert Höner hatte 1998 - als ehemaliger Synodalpfarrer des Kirchenkreises Bielefeld -  eine Rede zur Einweihung einer Gedenkplakette am Bielefelder Bahnhof für die abtransportierten Juden aus unserer Region, darunter auch die Rahdener Juden, gehalten, in der er sich an einen jüdischen Schulfreund erinnerte, der als Einziger der Familie die Deportation überlebte („Ein Junge namens Günter W.“, aus: Herbert Höner „Sprechen Sie bitte von unten“).

 

Der Arbeitskreis ergänzte die Lesung mit einer Fotowand mit aktuellen Zeitungsberichten zum Thema „75 Jahre Befreiung von Auschwitz“ und bedankt sich bei allen, die gekommen sind und gespendet haben.

 

Die sorgfältig zusammengestellte Textauswahl mit regionalem Bezug und der angemessene und feinfühlige Vortrag der einzelnen Sprecher ließen das Publikum beklemmend still werden. Im Hintergrund blickte man auf ein Schwarzweiß-Foto einer Frau mit Kindern vor einem hohen Stacheldrahtzaun in Auschwitz. Jeder Anwesende hatte da sicherlich seine ganz eigenen Gedanken und Bilder im Kopf.

Gedenken

am 10. November 2022

Der Arbeitskreis »Jüdisches Leben in Rahden« erinnert jedes Jahr mit einer Gedenkveranstaltung an die Verfolgung und an die Pogrome 1938 und setzt damit ein Zeichen gegen das Vergessen.

Am Mittwoch, dem 10. November 2022, lädt Claus-Dieter Brüning, Stadtheimatpfleger und Mitglied des Arbeitskreises, wieder zu einem Stadtrundgang »Auf den Spuren der jüdischen Mitbürger« ein.

Diese sehr interessante und auch emotionale Stadtführung beginnt um 16:30 Uhr am Bahnhofsvorplatz – denn hier erinnert Brüning an Menschen, die von hier über Bielefeld in Vernichtungslager deportiert wurden. Der Rundgang führt über die Bahnhofstraße, Marktstraße, Katzengasse, Steinstr. über die Lemförder Straße. Im Anschluss an den Rundgang wird an jeder Verlegestelle eine Kerze zum Gedenken entzündet und eine Rose niedergelegt.

An den Rundgang schließt sich um 18:00 Uhr eine Gedenkveranstaltung am Platz der Synagoge an. Nach der Begrüßung durch den Bürgermeister Dr. Bert Honsel wird Levi Israel Ufferfilge, ein ehemaliger Schüler des Gymnasiums Rahden, die Gedenkrede halten. Vom »Arbeitskreis Jüdisches Leben in Rahden“ werden danach die Namen der Jüdischen Mitbürger*innen verlesen, die Rahden nach 1933 infolge der Naziherrschaft unfreiwillig verlassen mussten. Das Kaddisch schließt um 18.30 Uhr die Gedenkveranstaltung ab.

 

 

Stolperstein-Verlegung

am 11. Juni

Wir laden zur 4. Verlegung der Stolpersteine in

Rahden, in die Lemförder Straße 15,

am Samstag, 11. Juni 2022, um 11:00 Uhr ein.

 

An der heutigen Lemförder Straße 15 lebte damals die Familie Frank. Es gab zu der Zeit noch keine Straßennamen, daher hieß die Stätte Kleinendorf 58.

 

Julius Frank (*10.10.1867) wurde als 8. Kind von Leffmann und Henriette Frank, geb. Oldenburg, in Rahden geboren. Er wurde am 29. Juli 1942 nach Theresienstadt deportiert. Im Rahmen der Freikaufaktion am 5. Februar 1945 (Schweizer Transport) durfte auch Julius Frank in die Schweiz ausreisen. Dort lebte er in verschiedenen Flüchtlingsheimen. Nur wenige Monate später starb Julius Frank am 5. September 1945 in einem Pflegeheim in Luzern.

 

Paul, gen. Alfred Frank (*15.01.1899) war wie sein Vater Viehhändler. Am 12. Februar 1945 erfolgte die Deportation von Alfred und seinen Kindern  nach Theresienstadt. Nach der Befreiung des Lagers durch die sowjetische Armee im Mai 1945 kam die Familie nach Herford zurück. Nach langen Verhandlungen um sein Eigentum zog Alfred Frank 1957 mit seiner Frau nach Rahden in sein ehemaliges Wohnhaus. Alfred Frank starb 1964 in Hann. Ströhen, dort lebte sein Sohn Walter.

 

Sofie Frank, geb. Obenhaus, (*20.05.1895) konvertierte bei der Heirat mit Alfred zum jüdischen Glauben. Als Einzige der Familie wurde Sofie nicht deportiert. Erst 1957 kehrte sie mit ihrem Ehemann Alfred nach Rahden zurück. Sofie Frank starb 1966 in Hann. Ströhen.

 

Elfriede Frank (*22.04.1922), die älteste Tochter von Alfred und Sofie, wurde am 12. Februar 1945 nach Theresienstadt deportiert. Nach der Befreiung des Lagers kehrte Elfriede im Juni 1945 nach Herford zurück. 1952 heiratete sie Herbert Heinemann aus Herford. Die Ehe blieb kinderlos. Elfriede Frank starb 2007 in Bottrop.

 

Siegfried Frank (*15.03.1924) wurde 1940 verhaftet und war bis zu seiner Verschleppung im November 1944 nach Theresienstadt in verschiedenen Arbeitslagern und Gefängnissen der Gestapo. Im Juni 1945 kehrte er nach Herford zurück. Er erlernte den Viehhandel bei seinem Vater. 1960 zog er nach Rahden und gründete hier eine Familie. In Fabbenstedt führte er mit seiner Frau Ingrid eine Gaststätte. Später zog das Ehepaar mit seiner Tochter in den Bremer Raum. Siegfried Frank starb 1981 in Syke.

 

Luise Frank (*04.01.1926) war das Sorgenkind der Familie. Sie litt an einer Gehbehinderung und an der Schilddrüsenkrankheit Morbus Basedow. Sie lebte schon sehr früh im Jüdischen Waisenhaus in Paderborn, denn ab 1938 war ein Schulbesuch an öffentlichen Schulen für jüdische Kinder nicht mehr erlaubt. Luise starb mit 17 Jahren an den Folgen ihrer Krankheit, da eine medizinische Versorgung, u.a. bedingt durch den Hausarrest, für die Familie nicht möglich war.

 

Käthe Frank (*07.03.1927) hatte ein ähnliches Schicksal wie ihre Schwester Elfriede. Nachdem auch sie mehrere Jahre im Jüdischen Waisenhaus untergebracht war, folgten Zwangsarbeit und Deportation in die Lager Elben und Theresienstadt. Drei Jahre nach der Befreiung heiratete sie den Engländer William McGuire. Die Familie lebte mit fünf Kindern in Großbritannien. Käthe Frank starb 2006 in Doncaster, GB.

 

Walter Frank (*07.12.1929), das jüngste Familienmitglied, lebte wie seine Schwestern seit 1938 im Jüdischen Waisenhaus in Paderborn. Bereits im Alter von 13 Jahren leistete er Zwangsarbeit in einer Möbelfabrik. Im Februar 1945 wurde auch er in das Lager Theresienstadt deportiert. Er kehrte mit seiner Familie im Juni 1945 nach Herford zurück. Walter Frank arbeitete als Viehhändler bei seinem Vater. Er heiratete 1960 und führte mit seiner Frau Gisela die Gaststätte Spreen in Hann.-Ströhen. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor. Walter Frank starb 2007.

Gedenk

veranstaltung

10. November 2021

Wir erinnern an die Verfolgung und die Pogromnacht

Stadtführung mit Claus-Dieter Brüning um 16:30 Uhr

 

Die Bürger jüdischen Glaubens lebten in Rahden wie alle anderen auch. Sie gingen ihren Berufen nach, kümmerten sich um ihre Familien und engagierten sich im kulturellen und politischen Leben ihres Heimatorts. Doch spätestens mit dem Machtantritt der Nationalsozialisten im Jahr 1933 wurde ihnen das verwehrt, sie wurden drangsaliert und verfolgt, erschlagen, erschossen oder vergast. In den Abendstunden des 10. November 1938 wurde die Synagoge in Rahden in Brand gesetzt. Unter den Augen zahlreicher Einwohner und der Feuerwehr brannte das Gebäude bis auf die Grundmauern nieder. Während des Pogroms wurden auch Wohnungen jüdischer Familien verwüstet und geplündert, ihre Bewohner misshandelt. Und wenn sie ihr Leben retten konnten, dann verloren sie zumindest ihre Heimat. Der Arbeitskreis »Jüdisches Leben in Rahden« erinnert jedes Jahr mit einer Gedenkveranstaltung an die Verfolgung und an die Pogromnacht und setzt damit ein Zeichen gegen das Vergessen.

 

Am Mittwoch, dem 10. November 2021, lädt Claus-Dieter Brüning, Stadtheimatpfleger und Mitglied des Arbeitskreises, wieder zu einem Stadtrundgang »Auf den Spuren der jüdischen Mitbürger« ein.

Diese sehr interessante und auch emotionale Stadtführung beginnt um 16:30 Uhr am Bahnhofsvorplatz – denn hier erinnert Brüning an Menschen, die von hier über Bielefeld in Vernichtungslager deportiert wurden.

 

Weiter geht es in die Bahnhofstraße, in der einige jüdische Familien gewohnt haben. Heute erinnern Stolpersteine vor den Häusern an die Familien Haas, Heine, Weidenbaum und Horwitz – Brüning weiß einige Geschichten der Familien zu erzählen.

 

In der Marktstraße wird z. B. über die Familie Julius Ginsberg berichtet. Nach dem Zwangsverkauf ihres Hauses in der Marktstraße 1941 lebten Julius, Clara und Ruth Ginsberg hier noch bis 1942. Am 31. März 1942 wurde die Familie von Bielefeld aus ins Ghetto Warschau deportiert und später ermordet.

 

Die Stadtführung führt über die Steinstraße/Ecke Lemförder Straße, wo Familie Frank gewohnt hat bis in die Lange Straße. Hier wohnten in unmittelbarer Nähe der ehemaligen Synagoge die Familie Goldstein ( das Haus wurde 1939 zwangsverkauft. Alle Familienmitglieder konnten rechtzeitig auswandern, so dass sie den Krieg überlebten) und Familie Vogel. Bis auf Sohn Paul Vogel wurden alle anderen Familienmitglieder nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

 

An den Rundgang schließt sich um 18:00 Uhr eine Gedenkveranstaltung am Platz der Synagoge mit einer Gedenkrede von Dr. Roland Mettenbrink an.

 

Eine Anmeldung zu dieser Stadtführung und anschließender Gedenkveranstaltung ist nicht notwendig. Die 3G-Regeln und der Abstand zu allen Teilnehmenden ist einzuhalten.

 

Dienstag, 10. November 2020

 

10.11.2020 - Stilles Gedenken an jüdische Bürger

 

Auch wenn die Gedenkveranstaltung am Platz der Synagoge in diesem Jahr coronabedingt nicht in größerem Rahmen stattfinden konnte, haben  Mitglieder des Arbeitskreises „Jüdisches Leben in Rahden“ gestern im kleinsten Kreis spontan einen Stadtrundgang unternommen und an allen zehn Verlegeorten der Stolpersteine eine Rose und eine Kerze niedergelegt. Interessant war, dass mehrere vorbeifahrende Autofahrer anhielten, um sich nach dem Sinn dieser Aktion zu erkundigen. Gerne erteilten die Arbeitskreismitglieder Auskunft. Solche Gespräche bestätigen, dass die Stolpersteine notwendig und sinnvoll sind.

 

Herr Dr. Werner Kreft stellte dem Arbeitskreis „Jüdisches Leben in Rahden" vor seine Gedenkrede zur Verfügung, die er sonst am 10. November auf dem Platz der Synagoge gehalten hätte, die wir hier in Auszügen wiedergeben.

 

Er schreibt:

 

„Aus gutem Grund wird jährlich am 10. November auf dem Platz der Synagoge der Reichspogromnacht 1938 gedacht, in der die Synagoge niedergebrannt wurde, die jüdischen Mitbürger/innen gedemütigt und schikaniert wurden und deren Häuser demoliert wurden. ( Gedacht wird der Shoa mit den 6 Millionen getöteter Frauen, Männer und Kinder.) Bei dem täglich wahrnehmbaren Antisemitismus sollte dies für die Gegenwart in Erinnerung gerufen werden.

 

Antisemitismus gab es schon Jahrzehnte vor den Nazis mit Unterstellungen und Benachteiligungen. Aber ebenso gab es ein bürgerliches Miteinander, gelebt in guter Nachbarschaft und Freundschaft im Rahdener Vereinsleben."

 

Dieser 10. November vor 82 Jahren war der Beginn des Terrors gegen deutsche Bürger jüdischen Glaubens, die hier wohnten, die hier lebten, hier in unserer Stadt. Mitten unter uns! Sie wurden gedemütigt, verfolgt oder ermordet, nur weil sie einen anderen Glauben hatten.

 

Die bekannteste Verschwörungstheorie war die der sogenannten Weisen von Zion, wonach das Judentum die Weltherrschaft anstrebe. Der zaristische Geheimdienst hatte dieses Pamphlet verfasst, um die Pogrome im Zarenreich zu rechtfertigen. Schon kurze Zeit später wies die englische Presse die tatsächliche Urheberschaft nach. Kein Grund für die Nazipropaganda noch Jahrzehnte später von der angeblichen Weltherrschaft der Juden zu faseln.

 

Heute erleben wir wieder Hetze, Verleumdungen, Verschwörungstheorien und Gewalt gegen unsere jüdischen Mitbürger. Unsere Verpflichtung aus der Vergangenheit und Ziel unseres Denkens und Handelns muss sein: Jede Synagoge muss so sicher und offen sein wie unsere Kirchen. Eine Kippa und den Davidsstern zu tragen muss so selbstverständlich sein, wie eine Mütze oder ein Kreuz. Wir sind verpflichtet gegen Antisemitismus argumentativ Stellung zu beziehen und unsere staatlichen Organe anzuhalten, Meinungsfreiheit und Hetze nicht zu verwechseln, sondern zu sanktionieren und nicht auf „Bewährung" zu dulden.

Lassen Sie uns als Christen, denen die hebräische Bibel zum Kanon gehört, für unsere geistlich älteren Geschwister und als Deutsche mit oder ohne religiöse Bindung „Schutzengel" sein für die jüdischen Mitbürger in unserem Land."

Montag, 27. Januar 2020

 

Lesung zum Gedenken an die Opfer „Heute vor 75 Jahren“

 

Am 27. Januar, dem 75. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz  fand auf Initiative des Arbeitskreises „Jüdisches Leben in Rahden“ im Bahnhof eine Gedenkveranstaltung statt. Eingeladen war die Espelkamper Autorin und Verlegerin Marlies Kalbhenn, die gemeinsam mit ihrem Mann, Hans-Georg Kalbhenn, sowie Inge Hartmann, Uta Hartmeier, Helga Kron und Sigrid Lindemann Auszüge aus verschiedenen Büchern von Zeitzeugen und Opfern vortrug. Monika Büntemeyer begrüßte im Namen des Arbeitskreises mehr als 100 Besucher.

„Seid nicht gleichgültig“, so hatte einer der vier Redner in Auschwitz (Marian Turski, ein 93jähriger Überlebender) wenige Stunden zuvor gesagt, sei eine Art 11. Gebot.

Es sei unsere Pflicht, die Erinnerung an die Gräueltaten wach zu halten -   auch durch eine Lesung von Zeitzeugenberichten könne man ein Zeichen setzen, so Büntemeyer. Gelesen wurde aus den Tagebüchern von 1933 bis 1942 von Ruth Maier - der „Anne Frank Norwegens“-, außerdem aus Cordelia Edvardson „Gebranntes Kind sucht das Feuer“. Die Tochter von Elisabeth Langgässer hatte als uneheliches Kind eines jüdischen Vaters Theresienstadt und Auschwitz überlebt und ihre Erinnerungen 1984 zunächst in Schweden veröffentlicht. Zwei Jahre später erschien das Buch in Deutschland. Noch im selben Jahr erhielt sie dafür den Geschwister-Scholl-Preis.

Hans-Georg Kalbhenn ließ die Stimme seines Schwiegervaters sprechen. Herbert Höner hatte 1998 - als ehemaliger Synodalpfarrer des Kirchenkreises Bielefeld -  eine Rede zur Einweihung einer Gedenkplakette am Bielefelder Bahnhof für die abtransportierten Juden aus unserer Region, darunter auch die Rahdener Juden, gehalten, in der er sich an einen jüdischen Schulfreund erinnerte, der als Einziger der Familie die Deportation überlebte („Ein Junge namens Günter W.“, aus: Herbert Höner „Sprechen Sie bitte von unten“).

 

Der Arbeitskreis ergänzte die Lesung mit einer Fotowand mit aktuellen Zeitungsberichten zum Thema „75 Jahre Befreiung von Auschwitz“ und bedankt sich bei allen, die gekommen sind und gespendet haben.

 

Die sorgfältig zusammengestellte Textauswahl mit regionalem Bezug und der angemessene und feinfühlige Vortrag der einzelnen Sprecher ließen das Publikum beklemmend still werden. Im Hintergrund blickte man auf ein Schwarzweiß-Foto einer Frau mit Kindern vor einem hohen Stacheldrahtzaun in Auschwitz. Jeder Anwesende hatte da sicherlich seine ganz eigenen Gedanken und Bilder im Kopf.

Gedenken

am 10. November 2022

Der Arbeitskreis »Jüdisches Leben in Rahden« erinnert jedes Jahr mit einer Gedenkveranstaltung an die Verfolgung und an die Pogrome 1938 und setzt damit ein Zeichen gegen das Vergessen.

Am Mittwoch, dem 10. November 2022, lädt Claus-Dieter Brüning, Stadtheimatpfleger und Mitglied des Arbeitskreises, wieder zu einem Stadtrundgang »Auf den Spuren der jüdischen Mitbürger« ein.

Diese sehr interessante und auch emotionale Stadtführung beginnt um 16:30 Uhr am Bahnhofsvorplatz – denn hier erinnert Brüning an Menschen, die von hier über Bielefeld in Vernichtungslager deportiert wurden. Der Rundgang führt über die Bahnhofstraße, Marktstraße, Katzengasse, Steinstr. über die Lemförder Straße. Im Anschluss an den Rundgang wird an jeder Verlegestelle eine Kerze zum Gedenken entzündet und eine Rose niedergelegt.

An den Rundgang schließt sich um 18:00 Uhr eine Gedenkveranstaltung am Platz der Synagoge an. Nach der Begrüßung durch den Bürgermeister Dr. Bert Honsel wird Levi Israel Ufferfilge, ein ehemaliger Schüler des Gymnasiums Rahden, die Gedenkrede halten. Vom »Arbeitskreis Jüdisches Leben in Rahden“ werden danach die Namen der Jüdischen Mitbürger*innen verlesen, die Rahden nach 1933 infolge der Naziherrschaft unfreiwillig verlassen mussten. Das Kaddisch schließt um 18.30 Uhr die Gedenkveranstaltung ab.

 

 

Stolperstein-Verlegung

am 11. Juni

Wir laden zur 4. Verlegung der Stolpersteine in

Rahden, in die Lemförder Straße 15,

am Samstag, 11. Juni 2022, um 11:00 Uhr ein.

 

An der heutigen Lemförder Straße 15 lebte damals die Familie Frank. Es gab zu der Zeit noch keine Straßennamen, daher hieß die Stätte Kleinendorf 58.

 

Julius Frank (*10.10.1867) wurde als 8. Kind von Leffmann und Henriette Frank, geb. Oldenburg, in Rahden geboren. Er wurde am 29. Juli 1942 nach Theresienstadt deportiert. Im Rahmen der Freikaufaktion am 5. Februar 1945 (Schweizer Transport) durfte auch Julius Frank in die Schweiz ausreisen. Dort lebte er in verschiedenen Flüchtlingsheimen. Nur wenige Monate später starb Julius Frank am 5. September 1945 in einem Pflegeheim in Luzern.

 

Paul, gen. Alfred Frank (*15.01.1899) war wie sein Vater Viehhändler. Am 12. Februar 1945 erfolgte die Deportation von Alfred und seinen Kindern  nach Theresienstadt. Nach der Befreiung des Lagers durch die sowjetische Armee im Mai 1945 kam die Familie nach Herford zurück. Nach langen Verhandlungen um sein Eigentum zog Alfred Frank 1957 mit seiner Frau nach Rahden in sein ehemaliges Wohnhaus. Alfred Frank starb 1964 in Hann. Ströhen, dort lebte sein Sohn Walter.

 

Sofie Frank, geb. Obenhaus, (*20.05.1895) konvertierte bei der Heirat mit Alfred zum jüdischen Glauben. Als Einzige der Familie wurde Sofie nicht deportiert. Erst 1957 kehrte sie mit ihrem Ehemann Alfred nach Rahden zurück. Sofie Frank starb 1966 in Hann. Ströhen.

 

Elfriede Frank (*22.04.1922), die älteste Tochter von Alfred und Sofie, wurde am 12. Februar 1945 nach Theresienstadt deportiert. Nach der Befreiung des Lagers kehrte Elfriede im Juni 1945 nach Herford zurück. 1952 heiratete sie Herbert Heinemann aus Herford. Die Ehe blieb kinderlos. Elfriede Frank starb 2007 in Bottrop.

 

Siegfried Frank (*15.03.1924) wurde 1940 verhaftet und war bis zu seiner Verschleppung im November 1944 nach Theresienstadt in verschiedenen Arbeitslagern und Gefängnissen der Gestapo. Im Juni 1945 kehrte er nach Herford zurück. Er erlernte den Viehhandel bei seinem Vater. 1960 zog er nach Rahden und gründete hier eine Familie. In Fabbenstedt führte er mit seiner Frau Ingrid eine Gaststätte. Später zog das Ehepaar mit seiner Tochter in den Bremer Raum. Siegfried Frank starb 1981 in Syke.

 

Luise Frank (*04.01.1926) war das Sorgenkind der Familie. Sie litt an einer Gehbehinderung und an der Schilddrüsenkrankheit Morbus Basedow. Sie lebte schon sehr früh im Jüdischen Waisenhaus in Paderborn, denn ab 1938 war ein Schulbesuch an öffentlichen Schulen für jüdische Kinder nicht mehr erlaubt. Luise starb mit 17 Jahren an den Folgen ihrer Krankheit, da eine medizinische Versorgung, u.a. bedingt durch den Hausarrest, für die Familie nicht möglich war.

 

Käthe Frank (*07.03.1927) hatte ein ähnliches Schicksal wie ihre Schwester Elfriede. Nachdem auch sie mehrere Jahre im Jüdischen Waisenhaus untergebracht war, folgten Zwangsarbeit und Deportation in die Lager Elben und Theresienstadt. Drei Jahre nach der Befreiung heiratete sie den Engländer William McGuire. Die Familie lebte mit fünf Kindern in Großbritannien. Käthe Frank starb 2006 in Doncaster, GB.

 

Walter Frank (*07.12.1929), das jüngste Familienmitglied, lebte wie seine Schwestern seit 1938 im Jüdischen Waisenhaus in Paderborn. Bereits im Alter von 13 Jahren leistete er Zwangsarbeit in einer Möbelfabrik. Im Februar 1945 wurde auch er in das Lager Theresienstadt deportiert. Er kehrte mit seiner Familie im Juni 1945 nach Herford zurück. Walter Frank arbeitete als Viehhändler bei seinem Vater. Er heiratete 1960 und führte mit seiner Frau Gisela die Gaststätte Spreen in Hann.-Ströhen. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor. Walter Frank starb 2007.

Gedenk

veranstaltung

10. November 2021

Wir erinnern an die Verfolgung und die Pogromnacht

Stadtführung mit Claus-Dieter Brüning um 16:30 Uhr

 

Die Bürger jüdischen Glaubens lebten in Rahden wie alle anderen auch. Sie gingen ihren Berufen nach, kümmerten sich um ihre Familien und engagierten sich im kulturellen und politischen Leben ihres Heimatorts. Doch spätestens mit dem Machtantritt der Nationalsozialisten im Jahr 1933 wurde ihnen das verwehrt, sie wurden drangsaliert und verfolgt, erschlagen, erschossen oder vergast. In den Abendstunden des 10. November 1938 wurde die Synagoge in Rahden in Brand gesetzt. Unter den Augen zahlreicher Einwohner und der Feuerwehr brannte das Gebäude bis auf die Grundmauern nieder. Während des Pogroms wurden auch Wohnungen jüdischer Familien verwüstet und geplündert, ihre Bewohner misshandelt. Und wenn sie ihr Leben retten konnten, dann verloren sie zumindest ihre Heimat. Der Arbeitskreis »Jüdisches Leben in Rahden« erinnert jedes Jahr mit einer Gedenkveranstaltung an die Verfolgung und an die Pogromnacht und setzt damit ein Zeichen gegen das Vergessen.

 

Am Mittwoch, dem 10. November 2021, lädt Claus-Dieter Brüning, Stadtheimatpfleger und Mitglied des Arbeitskreises, wieder zu einem Stadtrundgang »Auf den Spuren der jüdischen Mitbürger« ein.

Diese sehr interessante und auch emotionale Stadtführung beginnt um 16:30 Uhr am Bahnhofsvorplatz – denn hier erinnert Brüning an Menschen, die von hier über Bielefeld in Vernichtungslager deportiert wurden.

 

Weiter geht es in die Bahnhofstraße, in der einige jüdische Familien gewohnt haben. Heute erinnern Stolpersteine vor den Häusern an die Familien Haas, Heine, Weidenbaum und Horwitz – Brüning weiß einige Geschichten der Familien zu erzählen.

 

In der Marktstraße wird z. B. über die Familie Julius Ginsberg berichtet. Nach dem Zwangsverkauf ihres Hauses in der Marktstraße 1941 lebten Julius, Clara und Ruth Ginsberg hier noch bis 1942. Am 31. März 1942 wurde die Familie von Bielefeld aus ins Ghetto Warschau deportiert und später ermordet.

 

Die Stadtführung führt über die Steinstraße/Ecke Lemförder Straße, wo Familie Frank gewohnt hat bis in die Lange Straße. Hier wohnten in unmittelbarer Nähe der ehemaligen Synagoge die Familie Goldstein ( das Haus wurde 1939 zwangsverkauft. Alle Familienmitglieder konnten rechtzeitig auswandern, so dass sie den Krieg überlebten) und Familie Vogel. Bis auf Sohn Paul Vogel wurden alle anderen Familienmitglieder nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

 

An den Rundgang schließt sich um 18:00 Uhr eine Gedenkveranstaltung am Platz der Synagoge mit einer Gedenkrede von Dr. Roland Mettenbrink an.

 

Eine Anmeldung zu dieser Stadtführung und anschließender Gedenkveranstaltung ist nicht notwendig. Die 3G-Regeln und der Abstand zu allen Teilnehmenden ist einzuhalten.

 

Dienstag, 10. November 2020

 

10.11.2020 - Stilles Gedenken an jüdische Bürger

 

Auch wenn die Gedenkveranstaltung am Platz der Synagoge in diesem Jahr coronabedingt nicht in größerem Rahmen stattfinden konnte, haben  Mitglieder des Arbeitskreises „Jüdisches Leben in Rahden“ gestern im kleinsten Kreis spontan einen Stadtrundgang unternommen und an allen zehn Verlegeorten der Stolpersteine eine Rose und eine Kerze niedergelegt. Interessant war, dass mehrere vorbeifahrende Autofahrer anhielten, um sich nach dem Sinn dieser Aktion zu erkundigen. Gerne erteilten die Arbeitskreismitglieder Auskunft. Solche Gespräche bestätigen, dass die Stolpersteine notwendig und sinnvoll sind.

 

Herr Dr. Werner Kreft stellte dem Arbeitskreis „Jüdisches Leben in Rahden" vor seine Gedenkrede zur Verfügung, die er sonst am 10. November auf dem Platz der Synagoge gehalten hätte, die wir hier in Auszügen wiedergeben.

 

Er schreibt:

 

„Aus gutem Grund wird jährlich am 10. November auf dem Platz der Synagoge der Reichspogromnacht 1938 gedacht, in der die Synagoge niedergebrannt wurde, die jüdischen Mitbürger/innen gedemütigt und schikaniert wurden und deren Häuser demoliert wurden. (Gedacht wird der Shoa mit den 6 Millionen getöteter Frauen, Männer und Kinder.) Bei dem täglich wahrnehmbaren Antisemitismus sollte dies für die Gegenwart in Erinnerung gerufen werden.

 

Antisemitismus gab es schon Jahrzehnte vor den Nazis mit Unterstellungen und Benachteiligungen. Aber ebenso gab es ein bürgerliches Miteinander, gelebt in guter Nachbarschaft und Freundschaft im Rahdener Vereinsleben."

 

Dieser 10. November vor 82 Jahren war der Beginn des Terrors gegen deutsche Bürger jüdischen Glaubens, die hier wohnten, die hier lebten, hier in unserer Stadt. Mitten unter uns! Sie wurden gedemütigt, verfolgt oder ermordet, nur weil sie einen anderen Glauben hatten.

 

Die bekannteste Verschwörungstheorie war die der sogenannten Weisen von Zion, wonach das Judentum die Weltherrschaft anstrebe. Der zaristische Geheimdienst hatte dieses Pamphlet verfasst, um die Pogrome im Zarenreich zu rechtfertigen. Schon kurze Zeit später wies die englische Presse die tatsächliche Urheberschaft nach. Kein Grund für die Nazipropaganda noch Jahrzehnte später von der angeblichen Weltherrschaft der Juden zu faseln.

 

Heute erleben wir wieder Hetze, Verleumdungen, Verschwörungstheorien und Gewalt gegen unsere jüdischen Mitbürger. Unsere Verpflichtung aus der Vergangenheit und Ziel unseres Denkens und Handelns muss sein: Jede Synagoge muss so sicher und offen sein wie unsere Kirchen. Eine Kippa und den Davidsstern zu tragen muss so selbstverständlich sein, wie eine Mütze oder ein Kreuz. Wir sind verpflichtet gegen Antisemitismus argumentativ Stellung zu beziehen und unsere staatlichen Organe anzuhalten, Meinungsfreiheit und Hetze nicht zu verwechseln, sondern zu sanktionieren und nicht auf „Bewährung" zu dulden.

Lassen Sie uns als Christen, denen die hebräische Bibel zum Kanon gehört, für unsere geistlich älteren Geschwister und als Deutsche mit oder ohne religiöse Bindung „Schutzengel" sein für die jüdischen Mitbürger in unserem Land."

Montag, 27. Januar 2020

 

Lesung zum Gedenken an die Opfer „Heute vor 75 Jahren“

 

Am 27. Januar, dem 75. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz  fand auf Initiative des Arbeitskreises „Jüdisches Leben in Rahden“ im Bahnhof eine Gedenkveranstaltung statt. Eingeladen war die Espelkamper Autorin und Verlegerin Marlies Kalbhenn, die gemeinsam mit ihrem Mann, Hans-Georg Kalbhenn, sowie Inge Hartmann, Uta Hartmeier, Helga Kron und Sigrid Lindemann Auszüge aus verschiedenen Büchern von Zeitzeugen und Opfern vortrug. Monika Büntemeyer begrüßte im Namen des Arbeitskreises mehr als 100 Besucher.

„Seid nicht gleichgültig“, so hatte einer der vier Redner in Auschwitz (Marian Turski, ein 93jähriger Überlebender) wenige Stunden zuvor gesagt, sei eine Art 11. Gebot.

Es sei unsere Pflicht, die Erinnerung an die Gräueltaten wach zu halten -   auch durch eine Lesung von Zeitzeugenberichten könne man ein Zeichen setzen, so Büntemeyer. Gelesen wurde aus den Tagebüchern von 1933 bis 1942 von Ruth Maier - der „Anne Frank Norwegens“-, außerdem aus Cordelia Edvardson „Gebranntes Kind sucht das Feuer“. Die Tochter von Elisabeth Langgässer hatte als uneheliches Kind eines jüdischen Vaters Theresienstadt und Auschwitz überlebt und ihre Erinnerungen 1984 zunächst in Schweden veröffentlicht. Zwei Jahre später erschien das Buch in Deutschland. Noch im selben Jahr erhielt sie dafür den Geschwister-Scholl-Preis.

Hans-Georg Kalbhenn ließ die Stimme seines Schwiegervaters sprechen. Herbert Höner hatte 1998 - als ehemaliger Synodalpfarrer des Kirchenkreises Bielefeld -  eine Rede zur Einweihung einer Gedenkplakette am Bielefelder Bahnhof für die abtransportierten Juden aus unserer Region, darunter auch die Rahdener Juden, gehalten, in der er sich an einen jüdischen Schulfreund erinnerte, der als Einziger der Familie die Deportation überlebte („Ein Junge namens Günter W.“, aus: Herbert Höner „Sprechen Sie bitte von unten“).

 

Der Arbeitskreis ergänzte die Lesung mit einer Fotowand mit aktuellen Zeitungsberichten zum Thema „75 Jahre Befreiung von Auschwitz“ und bedankt sich bei allen, die gekommen sind und gespendet haben.

 

Die sorgfältig zusammengestellte Textauswahl mit regionalem Bezug und der angemessene und feinfühlige Vortrag der einzelnen Sprecher ließen das Publikum beklemmend still werden. Im Hintergrund blickte man auf ein Schwarzweiß-Foto einer Frau mit Kindern vor einem hohen Stacheldrahtzaun in Auschwitz. Jeder Anwesende hatte da sicherlich seine ganz eigenen Gedanken und Bilder im Kopf.